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236 Eva Kernbauer
Ausstellung also als wichtig genug erachtet wurde, um für ihre Verbreitung und Doku-
mentation zu sorgen.23 Darauf wurde auch bei den folgenden Akademieausstellungen
nicht mehr verzichtet. Der Umzug der Akademie ins St. Anna Gebäude im Frühjahr
1786 erlaubte schon bald die Abhaltung einer ersten Ausstellung in eigenen Räumlich-
keiten, die bei ihrer Eröffnung durch einen Besuch Josephs II. geehrt wurde. Das
gedruckte Verzeichnis der 173 Exponate enthält mehrere Jagd- und Marktstücke von
Quadal, der sich zu diesem Zeitpunkt also bereits in Wien aufhielt.24 In der Ausstel-
lung von 1790 schließlich war, neben anderen seiner Werke, auch das Gruppenporträt
der Akademiker im Aktsaal im St. Anna Gebäude zu sehen, zusammen mit einem
Mezzotinto, das Johann Jakobé nach dem Gemälde angefertigt hatte.25
Mehrere Reiseberichte und Stadtbeschreibungen Wiens von Friedrich Nicolai26,
Johann Pezzl27 und János Fekete28 aus den 1780er-Jahren erwähnen die Ausstellungen.
Dennoch waren sie keineswegs in vergleichbarem Maß populär und spektakulär, wie
dies in Paris der Fall war. Dass der Resonanzraum der ausgestellten Kunstwerke in
Wien immer noch die Krone als Verkörperung der absolutistischen Kunsttheorie war
und weniger die tatsächlich durch sie angezogene Öffentlichkeit, illustriert eine 1790
entstandene Allegorie auf eine Preisverteilung an der Wiener Akademie unter Wenzel
Anton Fürst Kaunitz-Rietberg von Franz Anton Maulbertsch (Abb. 1). Die Darstel-
lung steht im Einklang zu zentralen Anliegen der Akademie, insbesondere dem
Privilegienstreit mit den Zünften, den Joseph II. 1783 recht unsanft zugunsten der
Akademie entschied. Ein adeliger Jüngling rechts im Vordergrund präsentiert sein
Gemälde. Die Künste (Bildhauerei, Zeichnung und Baukunst sowie, prominenter her-
vorgehoben, die Malerei, die gerade geehrt wird) haben sich versammelt, während eine
Chronosfigur den Neid vertreibt. Im Zentrum des Bildes präsentiert die Wahrheit die
Preismedaille, weitere Medaillen liegen schon bereit, während dahinter der Präses der
23 AK Catalogue des ouvrages 1777.
24 Zur Ausstellung von 1786 vgl. Lützow 1877, 74–75, sowie AK Akademie 1786.
25 AK Akademie 1790, Nr. 183: „Modellsaal der k. k. Akademie bildender Künste. Von M. Quadal
gemalt, und geschaben von Johann Jakobe, Lehrer der geschabenen Kupferstecherei.“ Das Katalog-
manuskript (UAAbKW, VA, 1790, fol. 125b) erwähnt unter Nr. 60 Quadals Gemälde: „La Salle du
Modèle de l’Académie des beaux arts, où les artistes sont representés travaillant d’àpres le Modele de
Nu à la lumière des Lampes, et les Directeurs et Professeurs de l’Académie peints et portraitès au
Naturel, par Martin Ferdin Quadal.“ („Modellsaal der k. k. Akademie bildender Künste, wo die
Kunstverwandten eben nach den [sic!] beleuchtetem [sic!] Akt arbeiten. Die Direktoren und Lehrer
sind sämtlich nach dem Leben gemalt.“)
26 Nicolai 1784, 492: „Die Akademie pflegt zuweilen auf dem Redutensaale eine Ausstellung der neuen
Werke der Wiener Künstler zu veranstalten. Eine nütz liche Anordnung, um unter den Künstlern
Wetteifer, und zugleich beym Publikum Theilnehmung an den Kunstwerken zu befördern.“
27 Pezzl 1787, 606: „Jährlich werden an die Schüler, welche die beßten Preisstüke verfertigen, goldene
Münzen ausgetheilt. Von Zeit zu Zeit wird auch eine öffent liche Ausstellung neuer sehenswürdiger
Stüke von bereits vollendeten hiesigen Künstlern, und andern akademischen Mitgliedern, in dem
grossen Modellsaal und einigen Nebenzimmern veranstaltet, und ein eigener Katalog darüber
gedrukt.“
28 Fekete 1787, 69, erwähnt „un college des Jésuites, voué entierement à l’Académie & à l’Ecole de
Peinture, leur fournit des salles spacieuses pour y exposer comme au Louvre, les Tableaux qu’ils
croyent dignes de l’attention du Public“.
Schöne Wissenschaften
Sammeln, Ordnen und Präsentieren im josephinischen Wien
- Titel
- Schöne Wissenschaften
- Untertitel
- Sammeln, Ordnen und Präsentieren im josephinischen Wien
- Autor
- Nora Fischer
- Herausgeber
- Anna Mader-Kratky
- Verlag
- Österreichische Akademie der Wissenschaften
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-7001-8642-7
- Abmessungen
- 20.9 x 29.3 cm
- Seiten
- 306
- Kategorie
- Kunst und Kultur