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68 Kriegsende ein Disziplinarverfahren gegen ihn einzuleiten.120 Da Parker nicht
mehr nach Österreich zurückkehrte, erübrigte sich dieses. Seine Lehrtätigkeit
übernahm später Dr. Robert Fleischhacker, der als Lehrer für englische Sprache
bis 1926 und als Lektor für englische Sprache von 1926 bis 1932 an der Tech-
nischen Hochschule wirkte.121
Professor Rudolf Schüßler vom Lehrstuhl für Darstellende Geometrie hatte
im März 1915 den Landsturmeid geleistet und sich dem Grazer Freiwilligen
Schützenkorps einverleiben lassen. Nach dem Statut der k. k. freiwilligen
Schützen führte dies zunächst zu keiner Beeinträchtigung des Berufes, da
die mit dieser Meldung verbundene Ausbildung nur an Sonntagen stattfand
und Schüßler, trotz seiner Einberufung zur aktiven Dienstleistung am 19. Mai
1915, für die drei Vormittage, an denen er in der Lehre tätig war, von der mili-
tärischen Dienstleistung beurlaubt worden war.122 Doch die Gefahr, dass wei-
tere Lehrkanzelinhaber zum aktiven Kriegsdienst einberufen werden könnten,
dämmerte bereits herauf. Im Professorenkollegium wurde darüber Beratung
gepflogen, und am 25. Juni 1915 richtete Rektor Oskar Peithner von Lichten-
fels diesbezüglich ein Schreiben an das Ministerium für Kultus und Unterricht.
In diesem führte er aus, dass wohl folgende Professoren von einer allfälligen
Einberufung betroffen sein würden:
1) Dr. Rudolf Schüßler, Professor der Darstellenden Geometrie
2) Dr. Alexander Tornquist, Professor der Mineralogie und Geologie
3) Dr. Fritz Postuvanschitz, Professor der Baumechanik
und praktischen Statik
4) Dr. Leopold Cerny, Professor für Technisches Zeichnen
an der Bauingenieurschule und Freihandzeichnen sowie
5) Dr. Hans Paul, Professor für Wasserbau.
Schüssler stand ja zu diesem Zeitpunkt bereits beim k. k. freiwilligen Schützen-
regiment in Graz im aktiven Militärdienst, von den anderen Professoren nahm
man an, dass sie zu einer gegenwärtig noch nicht bestimmten Zeit zur Mus-
terung kommen, und es kann beinahe als sicher angenommen werden, daß
die Professoren Dr. Tornquist, Dr. techn. Postuvanschitz und Dr. techn. Cerny,
welche seinerzeit als Einjährig-Freiwillige und Reserve-Offiziere gedient haben,
als zum Landsturmdienste geeignet befunden werden.
Mangels geeigneter Supplenten müsste dann der Unterricht in diesen Fächern
eingestellt werden, merkte Peithner an. Deshalb habe das Rektorat nach dem
Anraten des Grazer Militärkommandanten Feldmarschall-Leutnant von Matta-
novich123 an das Ministerium schon jetzt das Ansuchen zu stellen, jene Schritte
einzuleiten, die eine mögliche Kriegsdienstleistung der angesprochenen Pro-
fessoren verhindern könnten.124
120 ATUG, Rektoratsakte 883 ex 1915, Schreiben vom 18. 11. 1915.
121 Diese Daten wurden aus den Vorlesungsverzeichnissen der Technischen Hochschule Graz generiert.
122 ATUG, Rektoratsakte 403 ex 1915, Schreiben vom 23. 5. und vom 27. 5. 1915.
123 Erwin Edler von Mattanovich, Grazer Militärkommandant 1914 bis 1916, dann bis Kriegsende
Militärkommandant von Sarajewo (B.R.).
124 ATUG, Rektoratsakte 486 ex 1915, Schreiben vom 25. 6. 1915.
Lehrende im aktiven Kriegs-
und Kriegshilfsdienst
„ In diesen schweren Tagen“
Die Technische Hochschule Graz im Ersten Weltkrieg
- Titel
- „ In diesen schweren Tagen“
- Untertitel
- Die Technische Hochschule Graz im Ersten Weltkrieg
- Autor
- Bernhard Reismann
- Herausgeber
- Technische Universität Graz
- Verlag
- Verlag der Technischen Universität Graz
- Ort
- Graz
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-85125-627-7
- Abmessungen
- 20.0 x 25.0 cm
- Seiten
- 334
- Schlagwörter
- Forschungseinrichtung, Universität, Bildung, Krieg, Forschung, TU Graz
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918