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Dr. phil. Roland Weitzenböck, Assistent und Honorardozent für Elemente der
höheren Mathematik, unterrichtete nach einer schweren Kriegsverwundung
als k. u. k. Hauptmann der Reserve in der Sappeurtruppe an der k. u. k. techni-
schen Militärakademie in Mödling.159 Weitzenböck wurde 1920 o. Professor für
Mathematik an der Technischen Hochschule in Graz.
Der Privatdozent für Mineralogie und Geologie, Dr. Hans Mohr, rückte mit
Kriegsbeginn im Juli 1914 ein und geriet bereits während der ersten Kämp-
fe in Galizien im Sommer 1914 in russische Kriegsgefangenschaft. Am 2. Au-
gust 1915 verständigte die kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien
das Rektorat, dass die Absicht bestehe, durch Vermittlung neutraler Staaten
resp. ihrer diplomatischen Vertretungen, für kriegsgefangene österreichische
Gelehrte Erleichterungen ihrer Lage resp. die Erlaubnis zu erwirken, dass die-
selben sich innerhalb ihrer Gefangenschaft wissenschaftlichen Arbeiten hin-
geben dürfen. Dies beträfe auch den in Gefangenschaft befindlichen Privat-
dozenten Dr. Hans Mohr, und daher ersuchte die Akademie das Rektorat um
Bekanntgabe seines Aufenthaltsortes sowie eventuell auch näherer zweck-
dienlicher Umstände. Rektor Oskar Peithner von Lichtenfels nahm den Ball
sofort auf und antwortete am 4. August 1915, Mohr befinde sich derzeit in
Spasskoje bei Nikolak Ussuriski nahe Wladiwostok in Ostsibirien. Dies hatte
sich auch noch nicht geändert, als das Ministerium für Kultus und Unterricht
am 5. Jänner 1916 in diesem Zusammenhang ein Telegramm an die Technische
Hochschule in Graz absandte, in welchem ebenso um die Daten der entspre-
chenden Gefangenen ersucht wurde.160
Im Dezember 1915 hatte ihn Prinz Karl von Schweden in einem Schreiben
an die russischen Behörden als einen jener gefangenen Gelehrten genannt,
denen der Aufenthalt in einer Universitätsstadt und die Wiederaufnahme
ihrer wissenschaftlichen Studien gewährt werden sollte. Tatsächlich kamen
die russischen Behörden diesem Wunsch nach, und Mohr konnte im April 1916
seine Studien an der Universität von Kasan in Tatarstan, der zweitältesten
russischen Universität, aufnehmen. Als Ergebnis dieser Studien entstand
1920 ein Aufsatz Mohrs über seine Lößstudien an der Wolga. Die im Zusam-
menhang mit seiner Tätigkeit in Russland gesammelten geologischen und
mineralogischen Materialien wurden übrigens im Jänner 1924 durch eine
Subvention der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Höhe von
2 Millionen Kronen aus der Erbschaft Czermak von Kasan nach Moskau und
von Moskau nach Wien transportiert.161 Lehrende in
Kriegsgefangenschaft
159 Weitzenböck wurde im Oktober 1917 durch einen schweren Unfall im aktiven Kriegsdienst
verwundet. Zum Vergleich: ATUG, Rektoratsakte 1147 ex 1917, Schreiben vom 23. 11. 1917.
160 ATUG, Rektoratsakte 657 ex 1915, Schreiben vom 2. 8. und vom 4. 8. 1915.
161 Deutsches Volksblatt, Nr. 9.695/1915, 30. 12., S. 7; Neue Freie Presse, Nr. 18.446/1915,
30. 12., S. 13; Grazer Volksblatt, Nr. 511/1914, 9. 10., S. 4; Fremden-Blatt, Nr. 105/1916,
15. 4., S. 9; Allgemeiner Tiroler Anzeiger, Nr. 172/1922, 31. 7., S. 6 und Wiener Zeitung,
Nr. 14/1924, 17. 1., S. 3.
„ In diesen schweren Tagen“
Die Technische Hochschule Graz im Ersten Weltkrieg
- Titel
- „ In diesen schweren Tagen“
- Untertitel
- Die Technische Hochschule Graz im Ersten Weltkrieg
- Autor
- Bernhard Reismann
- Herausgeber
- Technische Universität Graz
- Verlag
- Verlag der Technischen Universität Graz
- Ort
- Graz
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-85125-627-7
- Abmessungen
- 20.0 x 25.0 cm
- Seiten
- 334
- Schlagwörter
- Forschungseinrichtung, Universität, Bildung, Krieg, Forschung, TU Graz
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918