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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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74 Maddalena Guiotto brach. So verstärkten sich die autoritären Tendenzen und wurden zu einer diktatorischen Lawine83. Am 1. Mai 1933 schrieb De Gasperi: Österreich befindet sich in einem konstitutionellen Übergangsstatus zwischen neu und alt. […] Wir sind in der Regimesituation eines ausgesetzten Parlamen- ts und währenddessen verordnet die Regierung einige dringende Wirtschaftsre- formen und führt sie aus und bereitet eine Verfassungsreform vor […].84 De Gasperi bewertete die Regierung Dollfuß wie folgt: Wien zeigt sich nach einigen Jahren der Dunkelheit wieder der Schätzung der Welt als interessantes Ver- suchsfeld von Regierungspraxis. Er stellte Dollfuß dar als tatkräftige[n] Mann, kluge[n] Politiker, unerschütterliche[n] Charakter. […] Seine Regierung der Mitte […] ist eine diktatorische Regierung, die ihre Macht von einem alten Gesetz abwendet, das in der damaligen Monarchie während des Krieges erlassen wurde. […] Die Reform orientiert sich am po- litischen Vermächtnis von Monsignore Seipel, der einen korporativen Senat beabsichtigte und weitere Schutzklauseln gegen etwaige parlamentarische De- generationen vorsah85. Die österreichische „Lösung der Mitte“, gereift durch Dollfuß zwischen marxistischem Sozialismus und „nationalem Sozialismus“ (Nationalsozia- lismus), stellte De Gasperi zufolge ein sehr wichtiges Experiment dar. Es sei allerdings unmöglich vorauszusehen, ob es gelingen wird, weil sie von größ- ten Schwierigkeiten belagert sind86. Es war aber auch eine andere Erklärung für die positiven Urteile über den autoritären österreichischen Korporativismus. De Gasperi suchte einen Mittelweg zwischen den Totalitarismen, verkörpert durch den Nationalsozialismus, die sowjetische Erfahrung und den inter- 83 Zu den Ereignissen siehe: Goldinger, Binder, Geschichte der Republik Österreich 200–210; Alfred Ableitinger, Politik in Österreich 1918 bis 1933, in: Die umkämpfte Republik, hrsg. von Karner 17–37, hier: 32–36. 84 Spectator, QI, 1. Mai 1933 2059. (Übers. d. Verf.) 85 Spectator, QI, 1. Juli 1933 2074 f. (Übers. d. Verf.) 86 Spectator, QI, 1. Oktober 1933 2101 f. (Übers. d. Verf.)
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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