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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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87 Italien als Vorbild für Österreich? gime, in Österreich rangen Seipel und seine „Sanierungspartnerschaft“ mit den Mühen der Ebene. Sie hatten gegen den Widerstand der Länder und der Beamten die unpopulären Sparmaßnahmen umzusetzen, die mit dem Genfer Protokoll verbunden waren. Die Sozialdemokratie aber beanspruchte auch als nunmehrige Oppositionspartei weiterhin ein Vetorecht in allen ihr we- sentlich erscheinenden Fragen, das sie ganz offen mit dem Instrumentarium der parlamentarischen Obstruktion durchsetzte14. Darüber hinaus verteidigte die österreichische Sozialdemokratie mit Zähnen und Klauen das Prinzip der „Einheit der Arbeiterklasse“, nach links wie nach rechts. Der Erfolg dieser Strategie ließ sich daran ablesen, dass es gelang, die Kommunisten auf den Status einer einflusslosen Sekte zu redu- zieren, die bei Wahlen nicht einmal 1 % der Stimmen erhielt. Sie war nach der anderen Richtung aber auch kaum bereit, den christlichen oder nationa- len Richtungsgewerkschaften eine Existenzberechtigung zuzugestehen. Die außerparlamentarische Stellung der Sozialdemokratie, mit ihrem mächtigen Gewerkschaftsapparat, der weitgehend auf dem Prinzip des closed shop be- stand und die Koalitionsfreiheit der Arbeiternehmer ad absurdum zu füh- ren drohte, blieb auch in der Opposition weiterhin bestehen. Das in den An- fangsjahren der Republik sozialdemokratisch dominierte Berufsheer („Volks- wehr“) wurde ab Mitte der zwanziger Jahre unter der Regie des langjährigen christlichsozialen Heeresminister Vaugoin zunehmend „umpolitisiert“, aber die Sozialdemokratie schuf sich mit dem „Republikanischen Schutzbund“ ab 1923 eine Parteiarmee, die zumindest zahlenmäßig dem Bundesheer überle- gen war – wenn es sich dabei auch um „Wochenend-Soldaten“ handelte, ohne schwere Waffen15. Auch auf der Rechten hatten sich Wehrverbände gebildet, die in den ersten Jahren eine Mehrzweckfunktion innehatten, gegen auswärtige Feinde, plündernde Soldaten und Übergriffe der Arbeiterräte. Nach 1922 traten diese 14 Lothar Höbelt, Die Erste Republik Österreich 178 f., 188 f., vgl. auch Lothar Höbelt, Par- liamentarism in Austria in the Interwar Period, in: Parliamentarism and Political Structures in East-Central and Southeastern Europe during the Interwar Period, hrsg. von Hans-Christian Maner, Sorin Radu (= Studia Universitatis Cibiniensis, Series Historica 9, Sibiu 2012) 13–29. 15 Zum Schutzbund vgl. die drei Dissertationen: Christine Vlcek, Der Republikani- sche Schutzbund in Österreich. Geschichte, Aufbau und Organisation (Wien 1971); Finbarr McLoughlin, Der Republikanische Schutzbund und gewalttätige Auseinandersetzungen in Österreich 1923 bis 1934 (Wien 1990); Otto Naderer, „Ausrückender Stand 16.728!“ Der Repub- likanische Schutzbund und die militärische Vorbereitung auf den Bürgerkrieg (Salzburg 2003).
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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