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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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95 Italien als Vorbild für Österreich? rung lautete: Der Faschismus ist eine aus tiefem politischen Instinkt und geschicht- licher Notwendigkeit mehr als aus theoretischer Klarheit geborene Bewegung. Das wahrhaft erlösende Wort sei eben noch nicht gesprochen worden. Es scheint, dass dieses Wort, das eine neue Welt gestaltet, romanisch nicht gesprochen werden kann. Wir glauben, dass es deutsch gesprochen muß.36 Diese Kritik am Theorie- defizit des Faschismus war und ist freilich nicht auf Heinrich beschränkt37. Die Vorstellung, dass gerade der undogmatische Charakter des Faschismus, Mussolinis empirismo presuntuoso38, für seine Erfolge verantwortlich war, und dass umgekehrt jenes organische Wachstum, auf das Spann und Heinrich setzten, ihre Vorstellungen als konkrete Handlungsanweisungen für die Poli- tik inoperabel machten, kam waschechten „Ideologen“ und philosophischen Gemütern nicht in den Sinn. Denn: Wie immer auch die Wirtschaftsverfassung innerhalb der be- rufsständischen Ordnung aussehen würde, Spanns Oeuvre bot wenig An- haltspunkte dafür, wie sein „wahrer Staat“ tatsächlich beschaffen sein sollte. Den Staat als obersten Stand sollte ein Gremium der erlesensten Männer bilden, die – wiederum ganz organisch – aus den Selbstverwaltungsinstitutionen herauswachsen sollten. Die Idee mochte sich allenfalls mit Reminiszenzen an die Monarchie vertragen, als eine abgehobenen Bürokratie ein Reich ver- waltet hatte, ohne sich viel um die Kümmernisse der Krämerseelen zu küm- mern. Doch die Kombination von unbedingter Autorität und weiser Selbst- beschränkung war zu schön, um wahr zu sein. Schließlich war schon das ursprüngliche Ständewesen der frühen Neuzeit durch die Anforderungen der Außen- und Militärpolitik unterminiert worden. Fazit: Bei allen Meriten informeller Regelungen im kleinen Rahmen, die natürliche Autoritäten zur Geltung kommen ließen, als Muster für eine staatliche Verfassung waren der- lei Theorien unbrauchbar. Eben weil es noch keine organisierten „Stände“ gab, hatte man in der revidierten österreichischen Verfassung von 1929 zwar den „Länder- und Ständerat“ verankert, sich bis auf weiteres aber mit dem bisherigen Bundesrat als provisorischer Zweiter Kammer begnügt. Alt-Bundeskanzler Seipel war 36 Heinrich, Faschismus 137, 165, 182. 37 Janek Wasserman, Black Vienna. The Radical Right in the Red City 1918–1938 (Ithaca 2014) 101. 38 Guerri, Bottai 207.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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