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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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99 Italien als Vorbild für Österreich? gefaßt werde, antwortete Auriti dementsprechend ausweichend: Es sei leich- ter, konkrete Taten zu beurteilen als Programme45. Im internen Verkehr nahm sich der Gesandte kein Blatt vor den Mund, denn er hatte einen gewissen Einblick in die sehr banalen tagespolitischen Hintergründe, die Steidle zu seinem Gelöbnis bewogen hatten. Das Kor- neuburger Treffen war ursprünglich anberaumt worden, weil in Niederöster- reich eine Bewegung in Gang war, die darauf abzielte, den Landesführer Ju- lius Raab, den späteren Bundeskanzler der fünfziger Jahre, abzuwählen oder abzusetzen. Steidle überrumpelte die Versammlung mit seinem Gelöbnis und machte damit die Intrige gegen Raab zunichte, der als erster das Gelöb- nis ableistete – was ihm später oft zum Vorwurf gemacht wurde. Hinter den Gegnern Raabs verbarg sich auch ein Rivale Steidles, der Landesführer des benachbarten Oberösterreich, der junge Fürst Ernst Rüdiger Starhemberg, der sich von dem Gelöbnis wenig begeistert zeigte. Auriti interpretierte den vermeintlichen atto di fede deshalb auch in erster Linie als tiro mancino gegen Starhemberg, der – über Vermittlung seiner Mutter, der Fürstin Fanny Star- hemberg – kurz darauf das erste Mal bei Mussolini vorsprach. Im September übernahm Starhemberg dann tatsächlich die Bundesführung der Heimweh- ren46. Starhemberg verfolgte ein ganz anderes Konzept als sein Vorgänger Steidle. Er ließ sich nur widerwillig dazu überreden, im November 1930 mit einer eigenen Liste („Heimatblock“) bei den vorgezogenen Parlamentswah- len zu kandidieren. Die Heimatblock erzielte bloß 6 % der Stimmen – weil ein Teil seiner Anhänger, mit Raab und dem Wiener Emil Fey an der Spitze, auf einer anderen Liste gemeinsam mit den Christlichsozialen antrat. Das Poten- zial der Heimwehren mit vielleicht 10 % war damit von der Größenordnung her vergleichbar dem Einzugsbereich der PNF von 1921. Starhemberg war ein ausgesprochener Skeptiker aller Theorien von der berufsständischen Ord- nung. In diesem Punkt wurde er sogar von einem seiner oberösterreichischen Gegenspieler zitiert: 45 DDI VII/9, 85 (25.5.), 100 (3.6.1930). 46 Höbelt, Heimwehren 117, 123, 136; ASMAE Vienna 295, F 2 enthält den Brief der Fürs- tin vom 26.6.1930 und Mussolinis zustimmende Antwort.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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