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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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100 Lothar Höbelt Wenn ich und Starhemberg zusammenkommen und jemand über ständische Verfassung sprechen hören, lachen wir uns verständnisvoll zu47. Eine seiner Bedingungen für die Übernahme der Bundesführung war es, dass Spann und Heinrich – der sich für Steidle und dessen Stabschef Pabst ex- poniert hatte48 – in der Heimwehr-Bewegung keine Rolle mehr spielen sollten. Die Heimwehr unterstützte seit Frühjahr 1932 die Regierung Dollfuß; der alte Berufsoffizier Fey wurde im Oktober als Polizeiminister angelobt. Die Regierung hatte im Parlament keine Mehrheit und mußte sich von Ab- stimmung zu Abstimmung über die Runden retten. Starhemberg war zusam- men mit Mussolini und dem neuen ungarischen Ministerpräsidenten Gyula Gömbös in diverse Planungen verwickelt, wie man Dollfuß zu einem autori- tären Kurswechsel und zu einem eindeutigen Bündnis mit Italien bewegen könnte: Dollfuß müsste sich öffentlich mit uns kompromittieren.49 Doch all diese Überlegungen erwiesen sich als überflüssig. Die sogenannte „Selbstausschal- tung“ des Parlaments, die Geschäftsordnungspanne vom 4. März 1933, als der Reihe nach alle drei Präsidenten des Nationalrates zurücktraten, öffne- te der Regierung den Weg zu einem „Staatsstreich auf Raten“. Dollfuß, so schrieb Auritis Nachfolger Gabriele Preziosi beinahe bewundernd, verstehe es, immer auf einen geeigneten Vorwand zu warten50. Die Gelegenheit war so günstig, weil spätestens 1934 Neuwahlen fällig waren: Spätestens dann wä- ren die Christlichsozialen in eine fatale Zwickmühle geraten zwischen den zwei kollektivistisch-antiklerikalen Blöcken der Sozialdemokraten und der Nationalsozialisten (die seit 1931 bei allen Regional- und Kommunalwahlen große Gewinne verzeichneten). 47 Protokolle des Klubvorstandes der Christlichsozialen Partei 1932–1934, hrsg. von Wal- ter Goldinger (Wien 1980), 148 (9.3.1933); vgl. auch Schneller, Zwischen Romantik und Fa- schismus 109. 48 ASMAE, Affari Politici, Austria 1919–1930, Pacco 894/II (Heimwehren 1929/30) enthält einen Brief Heinrichs an Costamagna vom 5.9.1930, wo er sich über die Ausweisung von Steidles Stabschef Waldemar Pabst durch Schober beschwert, der just zu dem Zeitpunkt er- folgte, als Grandi seinen Wienbesuch absolvierte: Die Verhaftung von M. Pabst vor den Augen des italienischen Außenministers hat in seinen objektiven Rückwirkungen zum Verschwinden der faschistischen Bewegung in Österreich beigetragen. (Übers. d. Verf.). In einer beiliegenden Bro- schüre kritisierte Heinrich neben Schober außerdem auch Starhemberg. 49 DDI VII/12, 658 (15.12.1932). 50 DDI VII/14, 225 (24.9.1933).
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
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