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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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102 Lothar Höbelt Entwicklung in ihrem Sinne: Nicht Österreich kopiere das italienische Vor- bild, nein: Auch Italien beherzige inzwischen die Grundsätze von Quadrage- simo Anno53. In einer zweiten Runde ging Starhemberg von der Berufung auf den faschistischen Staat ohne Wenn und Aber wiederum ein wenig ab: Die später berühmt-berüchtigt gewordene Formel, die er im Vorfeld der neuen Verfas- sung gebrauchte, lautete „Austro-Faschismus“54, nämlich: die Durchführung der faschistischen Ideenwelt in einer unserem Vaterland entsprechenden Weise55. Diese Einschränkung war einerseits eine Selbstverständlichkeit, andererseits ein Gummiparagraph, der sich beliebig interpretieren ließ. Die Verfassung selbst entwarf das Bild einer berufsständischen Ordnung, das seine Anleihen bei Spann nicht verleugnen konnte, aber nicht den Beifall des Meisters fand, der in einer vielbeachteten Kritik abfällig konterte: Man machte aus dem Stän- detum einen unheimlichen Fastnachtscherz. Gegen die geistigen Anleihen an meiner Lehre, die in der österreichischen Verfassung gemacht wurden, erhebe ich feierlich Einspruch. Man gedachte nicht, dass man Gedanken verstehen müsse, um sie erfolg- reich zu entlehnen.56 Ob es sich bei den Bestimmungen der Mai-Verfassung 1934 jetzt um eine getreuliche Wiedergabe der Spann’schen Ideen handelte oder nicht, die Verfassung wurde nicht mit Leben erfüllt: Zwar waren die – zu einem Schat- tendasein verurteilten – gesetzgebenden Organe den Vertretern der Berufs- stände (und der Länder) vorbehalten, wie es in Italien erst ab 1939 der Fall sein sollte, doch einschlägige Wahlen fanden keine statt, nicht einmal auf einer Einheitsliste. Die Abgeordneten wurden bis auf weiteres von der Regierung ernannt, im strikten Proporz zwischen Christlichsozialen und Heimwehr57. 53 Reichspost (16.12.1933), „Auf dem Weg zur berufsständischen Reform“; Guerri, Bottai 102 f.; Andreas Fraydenegg-Monzello, Volksstaat und Ständeordnung. Die Wirtschaftspoli- tik der steirischen Heimwehr 1927–1933 (Wien 2015) 207. 54 Vgl. zuletzt die Debatte über den Begriff „Austrofaschismus“ im historicum, Neue Folge III–IV (2017). 55 Wohnout, Regierungsdiktatur 133. 56 Wohnout, Regierungsdiktatur 182; Schneller, Zwischen Romantik und Faschismus 112. Spann versuchte 1933/34 gerade über Thyssen mit einem „Institut für Ständewesen“ in Düsseldorf Fuß zu fassen, wurde aber von SS und Deutscher Arbeitsfront aus dem Dritten Reich hinausgeekelt und warnte 1938 dann vor der undeutschen religionsfeindlichen Haltung der zwei Narren Hitler und Rosenberg; ebd. 145, 171, 177; Höbelt, Heimwehren 397. 57 ASMAE, Rappresentanze diplomatiche, Vienna 1862–1938, busta 307, F 8 enthält un- ter dem 5.11.1934 (Bericht Nr. 4325/2284) eine präzise Aufstellung der Ernennungen in den
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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