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Luca Riccardi
Gegenüberstellung der beiden politischen Positionen verdeutlichte sich in
der expliziten Forderung Mussolinis, den Senator aus der Leitung der Zen-
tralbehörde zu entfernen. So sprach der aufgehende Stern am italienischen
Polithimmel offen über seine „Absetzung“14. Seine „moderate Tätigkeit“, die
darauf ausgerichtet war, „verschiedene Realitäten auszugleichen“15, wurde
abgelehnt. Schließlich entschied sich Ministerpräsident Facta dazu, Salata
zu entlassen, um dem Ansturm der extremen Rechten auf die liberalen In-
stitutionen zuvorzukommen. Ein paar Tage davor war bereits die Abschaf-
fung der Zentralbehörde für die neuen italienischen Provinzen angekündigt
worden16.
2. Die 1920-er Jahre
Mit der Etablierung des Faschismus widmete sich Salata hauptsächlich der
Geschichtsforschung. Hinzu kam hin und wieder seine Teilnahme an Parla-
mentssitzungen und seine Tätigkeit als Präsident einer Sektion des Staatsrats.
Zwischen 1922 und 1923 etablierte er sich als Wissenschaftler, was ihm eine
gewisse Bekanntheit verschaffte. Innerhalb von nur wenigen Jahren wandelte
er sich zu einem „Intellektuellen des Regimes“17 und wurde Experte für die
Geschichte der italienischen Außenpolitik mit Schwerpunkt auf dem Habs-
burgerreich und dem Irredentismus18. Seine Studien zeichneten sich durch
genaue Archivforschungen aus. Das Wissen, das er vor allem durch öster-
14 Mussolini, Scritti vol. II 171.
15 Ester Capuzzo, Il problema delle annessioni, in: La conferenza di pace di Parigi fra
ieri e domani (1919–1920), hrsg. von Antonio Scottà (Soveria Mannelli 2003) 141–154; Zitat
auf Seite 150. Siehe auch Marina Cattaruzza, L’Italia e la questione adriatica. Dibattiti parla-
mentari e panorama internazionale (1918–1926) (Bologna 2014) 142.
16 Capuzzo, Dal nesso asburgico 126 ff. und Marina Cattaruzza, L’Italia e il confine ori-
entale (Bologna 2007) 174
17 Riccardi, Francesco Salata 303–336.
18 Francesco Salata, La Questione Romana e la Triplice Alleanza secondo nuovi docu-
menti austro-ungarici, in: Nuova Antologia (1.3.1923) 49–62; Ders., L’Italia e la Triplice se-
condo nuovi documenti austro-germanici, in: Le Nuove Provincie 1–3 (1923) 42–75; Ders., Il
Manzoni e l’Austria, in: Nuova Antologia (1.12.1923) 3–14; Ders., Napoleone III e Francesco
Giuseppe alla pace di Villafranca. Un carteggio inedito, in: Nuova Antologia (16.12.1923)
3–25. Ders., Guglielmo Oberdan. Secondo gli atti del processo. Carteggi diplomatici e altri
documenti inediti (Bologna 1924). Letzterem Werk folgte 1932 anlässlich des 50. Jahrestags
der Durchführung die Publikation einer Biografie des Irredentisten in der populären Reihe
von Mondadori, Le Scie: Ders., Oberdan (Verona 1932).
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918