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Luca Riccardi
Damals begann Salata, sich näher mit politisch-diplomatischen Angelegen-
heiten zu befassen. Nach Abschluss des Viererpakts schlug er dem Verlags-
haus Mondadori eine Publikation darüber vor. Der Verleger, der an guten
Kontakten zum Regime interessiert war, stimmte zu. Salata hatte sich als
„enger Freund“ des Unterstaatssekretärs Suvich vorgestellt und tatsächlich
wurde die Veröffentlichung mit ihm als Autor vom Palazzo Chigi unter-
stützt32. Dem Triestiner Suvich kam eine Veröffentlichung, in der die anti-
deutsche Ausrichtung der italienischen Außenpolitik dokumentiert wurde,
gelegen33. Das Buch „Il Patto Mussolini“ war historiografisch aufbereitet,
verfolgte aber einen politischen Zweck. Salata standen für seine Forschun-
gen alle Archive offen, was zeigt, dass er eine politisch-propagandistische
Aufgabe erfüllte. Für Mondadori war es der erste Band einer Reihe ähn-
licher Publikationen34. Salata unterstützte die kompromisslose Politik Mus-
solinis hinsichtlich des „Anschlusses“, Konzessionen an Frankreich sollten
aber vermieden werden. Nur aus Angst vor einer Aggression Deutschlands
wollte der Palazzo Venezia seine Streitigkeiten mit Paris nicht einfach bei-
legen. Mussolini war darauf bedacht, seine Außenpolitik eigenständig zu
gestalten und nicht auf die Unterstützung anderer Mächte angewiesen zu
sein. Das Scheitern des Viererpakts demonstriert allerdings die Aussichts-
losigkeit dieser Strategie35.
Salatas kulturelle Aktivitäten und die Politik des Palazzo Chigi wa-
ren eng miteinander verflochten. Sowohl Salata als auch Suvich waren als
ehemalige Untertanen des Habsburgerreiches in den Jahren vor dem Ersten
Weltkrieg Irredentisten gewesen. Salata schilderte dem Unterstaatssekretär
die politischen Aspekte in seinen Gesprächen mit Vertretern anderer euro-
päischer Mächte, etwa im Rahmen einer Archivreise nach Berlin im Okto-
ber 1933, als er mit seinen deutschen Gesprächspartnern über den Austritt
32 Enrico Decleva, Arnoldo Mondadori (Milano 1988) 211.
33 Derselbe Suvich bezeichnete das Buch von Salata als „ein fundamentales Werk […]
eine wertvolle Analyse, die durch eine umfangreiche Dokumentendokumentation gestützt
wird. Allerdings dürften die politischen Veränderungen während der Redaktion seiner Me-
moiren ihn „zu dem enthusiastischen Tonfall“ veranlasst haben; Suvich, Memorie 140.
34 Decleva, Mondadori 211.
35 Riccardi, Francesco Salata 333 f.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918