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Francesco Salata und das Österreich der 1930er Jahre
Deutschlands aus dem Völkerbund sprach36. Er berichtete aber auch über den
sich ebenfalls in Deutschland aufhaltenden piemontesischen Prinzen Um-
berto, der sich negativ über einige nationalsozialistische Politiker geäußert
hatte37. Der neue Abschnitt im Leben Salatas stand damit ganz im Zeichen der
Diplomatie und der Beziehungen zu Deutschland.
4. In Wien zwischen Kultur und Diplomatie
Im Zentrum der italienischen Außenpolitik stand nun die Erhaltung der ös-
terreichischen Unabhängigkeit. Mussolini versuchte seit 1933 eine national-
sozialistische Einmischung in die Innenpolitik der Republik zu verhindern.
Die Schlüsselfigur bei dieser Strategie war Kanzler Dollfuß, der am 20. Mai
1932 an die Macht gekommen war und seit 1933 unter dem Einfluss Mussoli-
nis damit begonnen hatte, eine autoritäre Regierung und eine Einheitspartei
zu errichten, die auf Patriotismus und Unabhängigkeit ausgerichtet waren.
Durch eine neue Verfassung sollte der österreichische Staat grundlegend ver-
ändert werden38. Der Duce drängte auf die Ausschaltung der Sozialdemokra-
tie, die bei den Wahlen 42 Prozent der Stimmen errungen hatten. Dollfuß soll-
te gemeinsam mit den von Rom finanziell unterstützten Heimwehren unter
Führung von Ernst Rüdiger Starhemberg eine antinazistische Front bilden39.
Da Mussolini auch die wirtschaftliche Wiederbelebung Österreichs wichtig
war, wollte er schleunigst etwas für Österreich tun40. Am 17. März 1934 unter-
36 Salata an Suvich, 22. Oktober 1933, ASMAE, Gabinetto 195, pos. 11/8; Cerruti an Mus-
solini, 18. Oktober 1933, DDI, serie VII, Bd. XIV, d.298.
37 Ebd., Salata an Suvich, 22. Oktober 1933.
38 Die Vorstellungen des Duces in: Mussolini an Dollfuß, 9. September 1933, DDI, ebd.,
d.162. Zum Einfluss Mussolinis auf diese Entscheidungen siehe Lefebvre, L’intesa italo-fran-
cese 342 f.; zur inneren Lage in Österreich siehe Julius Braunthal, La tragedia dell’Aus-
tria (Firenze 1955) 100; Angelo Ara, Un’identità in trasformazione: l’Austria tra impero e
seconda repubblica in: Fra nazione e impero: Trieste, gli Asburgo, la Mitteleuropa, hrsg. von
Ders. (Milano 2009) 169–212, besonders 190–195; eine interessante Rekonstruktion der ita-
lienisch-österreichischen Beziehungen in den Jahren des Faschismus in: Ennio Di Nolfo, I
rapporti austro-italiani dall’avvento del fascismo all’Anschluss, in: Storia e politica 1–2 (1974)
33–81; Ludwig Jedlicka, Austria e Italia dal 1922 al 1938, in: Storia e politica 1–2 (1974) 82–105.
39 Suvich, Memorie 88 f; siehe auch Ernst Rüdiger Starhemberg, Memorie (L’Austria dal
1918 al 1940) (Roma 1980); Pietro Pastorelli, L’Italia e l’accordo austro-tedesco dell’11 luglio
1936, in: Dalla prima alla seconda guerra mondiale, hrsg. von Ders. (Milano 1997) 112.
40 Suvich an Ciancarelli, 26. Jänner 1934, DDI, serie VII; Bd. XIV, d.619. (Übers. d. Verf.)
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918