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Luca Riccardi
zeichneten Italien und Österreich die Römischen Protokolle, die darin ent-
haltenen wirtschaftlichen Vereinbarungen waren für Österreich besonders
vorteilhaft41. Gleichzeitig sollte dadurch der politisch-ökonomische Einfluss
Italiens im Donauraum gesichert, der deutsche Einfluss zurückgedrängt, die
Wiederherstellung der Habsburgermonarchie verhindert42 und der ungari-
sche Revisionismus eingedämmt werden, denn Mussolini wollte Ungarn kei-
ne genauen und konkreten Inhalte liefern43.
Auch kulturpolitisch wollte der Duce auf Österreich einwirken. Unter
Vermittlung Suvichs beauftragte er im März 193444 Salata mit der Ausarbei-
tung von Vorschlägen für die Einrichtung eines italienischen Kulturinstituts
in Wien unter dessen Leitung. Die Funktion dieser neuen Einrichtung wurde
wie folgt beschrieben:
Organ der italienisch-österreichischen Zusammenarbeit im intellektuellen
Bereich als Kontakt- und Durchdringungszentrum zum sensiblen Ambiente
der Hochkultur, im Dienste unserer [italienischen] Politik, [sollte] in jedem
Bereich und mit allen geeigneten Mitteln stärker werden45.
Am 31. Juli 1934 genehmigte Mussolini die Pläne Salatas unter dem Eindruck
des nationalsozialistischen Putschversuchs und der Ermordung Dollfuß’ am
25. Juli und wies ihn an, diese ohne Verzögerungen umzusetzen46. Für Suvich
und für Salata war die Unabhängigkeit Wiens von Berlin ein wesentliches
Element der italienischen Außenpolitik. In einem „Anschluss“ sahen sie eine
endgültige Durchsetzung jenes Deutschtums, gegen das sie seit ihrer Jugend
kämpften, die Entstehung eines Großdeutschland sahen sie als nationales Pro-
blem47. Der „Schutz“ der Wiener Regierung durch Italien ist im Rahmen des
41 Für den Text der Römischen Protokolle siehe ebd., d.811; Mussolini an mehrere Sitze
im Ausland, 19. und 22. März 1934, ebd., Bd. XV, doc.2 und 15. Zu den Ursprüngen dieser
Politik siehe Appunto di Suvich, September 1933, ebd., d.231 und Memorandum italiano per
l’Europa danubiana, 29. September 1933, ebd., d.232.
42 Zu Letzterem v. Suvich an mehrere Sitze im Ausland, 5. März 1934, ebd., d.774.
43 Appunto di Cosmelli, 27. September 1933, ebd., d.224. (Übers. d. Verf.)
44 Pastorelli, L’Italia e l’accordo austro-tedesco 106.
45 Promemoria von Salata, 3. Juli 1934, ASMAE, CS, b.148, f.905. (Übers. d. Verf.)
46 Ebd., zu den italienisch-österreichischen Beziehungen siehe De Felice, Mussolini il
duce 467–506.
47 Suvich, Memorie 81. (Übers. d. Verf.)
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918