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Francesco Salata und das Österreich der 1930er Jahre
autoritären Regime“ 99 – fiel anderen Prioritäten zum Opfer, die sich aus den
„neuen“ Anforderungen der italienischen Außenpolitik ergaben.
Salata „war weit entfernt von der Realität der Tatsachen“100 – wie weit, das
zeigt das, was er in den Wochen vor dem österreichisch-deutschen Abkom-
men in Rom schrieb:
Wenn, man in unserem Interesse, meinem Freund [Schuschnigg] raten sol-
lte, die Gespräche fortzuführen, sollte man diese geschickt verzögern bis wir
uns unsererseits über die Nutzung der potentiellen Funktion des „deutschen
Dokuments“ in den allgemeinen Verhandlungen mit London und Paris im
Klaren sind […].101
Eigentlich wollte sich Mussolini des österreichischen Problems nur schnell
entledigen, weil es einen Störfaktor für seine neue europäische Strategie dar-
stellte. Nicht zufällig empfing der Duce am 5. Juni 1936 auf der Burg Rocca
delle Caminate den österreichischen Kanzler und bestärkte Wien darin, auf
die deutschen Vorschläge eines Modus Vivendi einzugehen102. Schuschniggs
Versuch, seinen Gesprächspartner zu einer direkten Beteiligung Italiens am
Vertrag als Garantie für Österreichs Unabhängigkeit zu bewegen, scheiter-
te. Der dem Treffen beigezogene Suvich schlug vor, als letzten Verweis auf
die frühere proösterreichische Politik Italiens zumindest einen Bezug auf die
Römischen Protokolle einzufügen. Da dies im Grunde unerheblich war, wil-
ligte der Duce ein103. Unterstaatssekretär Suvich, der Ansprechpartner Salatas
im Palazzo Chigi, hatte seinen Einfluss verloren, seine Österreichpolitik ent-
sprach nicht mehr der Mussolinis. Es ging nur mehr um einen gesichtswah-
renden Abgang. Der Triestiner Politiker wurde – wenn auch nur für kurze
Zeit – als Botschafter nach Washington versetzt104.
In den Wochen vor Abschluss des österreichisch-deutschen Juliabkom-
mens begann sich eine widersprüchliche Situation abzuzeichnen: Mussolini
99 Ebd.
100 Riccardi, Francesco Salata 381.
101 Salata an Suvich, 1. Juni 1936, DDI, serie VIII, Bd. IV, d. 157. (Übers. d. Verf.)
102 Gespräch Mussolini-Schuschnigg, 5. Juni 1936, ebd., d. 192.
103 Riccardi, Francesco Salata 382.
104 Anmerkungen zu dieser Phase in G. Bianchi, Introduzione a Suvich, Memorie XIX–XX.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918