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Luca Riccardi
drängte Schuschnigg zu einem Abkommen mit Deutschland und dieser ent-
fernte schrittweise die italophilen Minister aus seiner Regierung, um den Weg
für ein Abkommen mit Berlin zu ebnen. Dieses sollte allerdings so wenig bin-
dend wie möglich sein. Salata hielt an seinen antideutschen Standpunkten fest,
doch dies entsprach nicht den Absichten des Duces. Es begann sich eine „Krise“
abzuzeichnen, welche die gesamte italienische Außenpolitik belasten sollte105.
Das Juliabkommen beraubte Salata nicht seiner Illusionen. So ließ er es
sich nicht nehmen, anzumerken, wie sehr dieses Abkommen die Position Ös-
terreichs sichert und sowohl innenpolitisch als auch bezüglich seiner internationalen
Beziehungen, insbesondere zu Italien106 festigt. Die politische Verantwortung des
Senators bei der Zustimmung zu diesem Abkommen lässt sich an der Tatsa-
che ablesen, dass dieser – aus Sicht des Botschafters von Papen – die „einzige
Person [war], die umfassend informiert war über das, was gerade passier-
te“107. Tatsächlich verfolgte Salata in seiner Rolle als Abgesandter des Duces
die gesamte Verhandlung zwischen Österreich und Deutschland Schritt für
Schritt und erstattete dem Regierungschef gewissenhaft Rapport über die ge-
machten Fortschritte108. Die Beziehungen zwischen Salata und Preziosi ver-
schlechterten sich in diesen Tagen allerdings noch mehr. Als dieser von den
vollendeten Tatsachen erfuhr, „schwor er“ – laut dem Bericht von Filippo
Anfuso, Kabinettschef des Außenministers Ciano –, den „Rivalen“ zu „be-
strafen“109.
105 Eine Analyse in Francesco Lefebvre d’Ovidio, La questione austro-tedesca e la crisi
della politica estera italiana (luglio 1934–luglio 1936), in: Storia delle relazioni internazionali
2 1999 (2003) 3–64; Riccardi, Francesco Salata 375–385.
106 Traccia generale per la stampa, im Anhang von Salata an Ciano, 11. Juli 1936, ASMAE,
CS, b.260, f.1739; für die übersetzten und persönlich von Salata nach Rom gesendeten Texte
des Vertrags v. ASMAE, CS, b.213, f.1251. (Übers. d. Verf.)
107 Zur Rolle Salatas v. Franz von Papen, Memorie (Bologna 1952) 439. Zur Person von Pa-
pen siehe auch Stefano Trinchese, Il Cavaliere tedesco. La Germania antimoderna di Franz
von Papen (Roma 2000).
108 Pastorelli, L’Italia e l’accordo austro-tedesco 104 f.
109 Filippo Anfuso, Roma Berlino Salò (Milano 1950) 17.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918