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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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134 Paolo Valvo die Militanten des sozialdemokratischen „Republikanischen Schutzbunds“ gegenüberstanden, beschrieb der Jesuit Österreich als von innen bedroht durch Sozialisten, Freimaurer und andere Subversive; von außen durch Tschechoslowaken und deutsche Hitler-Anhänger, die sie unterstützen oder auch aufwiegeln. Mit die- sen Worten verteidigte Rosa letztendlich gleichzeitig den Fortbestand Öster- reichs und den katholischen Glauben, wie die Tatsache zeigt, dass der Jesuit die Verantwortung für die tragischen Ereignisse im Februar 1934 den Geg- nern der Kirche und des christlichen Glaubens, Gegnern nicht weniger des Volks und jeder rechtschaffenden Zivilgesellschaftsordnung2 gab. Ähnlich kommentierte der kirchliche Zentralassistent der Gioventù femminile der Azione Cattolica, Monsignore Alfredo Cavagna, einige Monate später den brutalen Mord an Dollfuß, der am 25. Juli desselben Jahres von den Nationalsozialisten verübt wurde: Österreich hat gerade dem Leichnam seines ersten Staatsbürgers in Frieden bestattet, der auf verbrecherische und barbarische Weise niederge- metzelt wurde, und uns die entsetzliche Gefahr gezeigt, der der Kommunismus und der Nationalsozialismus Europa und die gesamte Zivilisation aussetzen wollen.3 Noch viel mehr als ein Bollwerk gegen den Nationalsozialismus und den Bolschewismus schien jedoch das „neue Österreich“ aus Sicht des ka- tholischen Mainstreams in Italien das Ideal eines modernen Staats zu ver- körpern: Ein Staat, errichtet auf der Grundlage der katholischen Soziallehre, so wie es sich jene gewünscht hatten, die schon vor langer Zeit Überlegungen über die ideale, dem Wohl der Allgemeinheit am besten gerecht werdende Staatsform eingeleitet hatten. Dieser Eindruck schien durch die Tatsache be- stätigt, dass die maßgebenden Vertreter des österreichischen Ständestaats – angefangen bei Dollfuß persönlich – kein Hehl daraus machten, sich an den Lehren der Kirche orientieren zu wollen, insbesondere an der Enzyklika „Quadragesimo anno“ von Pius XI. (15. Mai 1931)4. Bereits einen Tag nach der „Selbstausschaltung“ (4. März 1933), durch die das österreichische Parlament 2 Enrico Rosa, Vita Ecclesiae, in: Studium 2 (1934) 149. (Übers. d. Verf.) 3 Alfredo M. Cavagna, Il Vangelo dell’Assistente, in: L’Assistente Ecclesiastico 10 (1934) 676. (Übers. d. Verf.) 4 Für eine kritische Einordnung der Thematik siehe Rupert Klieber, Quadragesimo anno e lo «Ständestaat» d’Austria nuova (1934–1938), in: La sollecitudine ecclesiale di Pio XI. Alla luce delle nuove fonti archivistiche (= Atti del convegno internazionale di studio Città del Vaticano 26–28 febbraio 2009), hrsg. von Cosimo Semeraro (Città del Vaticano 2010) 347–362.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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