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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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139 Die katholische Welt Italiens und der christliche Ständestaat gelegt hatte, die nicht dadurch geschmälert wird, wenngleich dies festgestellt werden muss, dass etwas Ähnliches auf diesem Gebiet von anderen und vor allem von den Päpsten vorhergesagt wurde19. Die gleiche Richtung wurde von Brucculeri ein- geschlagen, der zwischen Januar und Februar 1934 in einem bedeutsamen, in zwei Teilen in „La Civiltà Cattolica“ veröffentlichten Essay die Ähnlichkeiten oder die Unstimmigkeiten zwischen dem heutigen italienischen korporativen Konzept und jenem, das die Bewegung der Christlich-sozialen in der Vorkriegszeit anregte, versuchte deutlich zu machen20. An der Università Cattolica hielt man Italien jedenfalls für die „Meis- ter-“21Nation, auf die die anderen Länder blickten, um die soziale Ordnung durch die Vervielfältigung der Befugnisse des Staates neu zu gestalten, der Protagonist im Wirtschaftsprozess und Hüter der sozialen Harmonie wur- de22. Die Beziehung zwischen Rom und Wien war daher von einer reziproken Mimesis geprägt, da Österreich unter Dollfuß – der „das von Pius XI. emp- fohlene Rezept mit Sorgfalt zu verfolgen schien, um die sozialen Probleme zu lösen“ – „das Symbol jener Zusammenlegung von Christentum, sozialem Recht und Vaterlandsliebe“ verkörperte, „das der Rettungsanker für dassel- be faschistische Italien schien“23. Davon zeigte sich beispielsweise Francesco Vito überzeugt, der im Juli 1934 bekräftigte, in Österreich ist die Reform der poli- tischen Institutionen und der wirtschaftlichen und sozialen Struktur, an der bis jetzt aktiv gearbeitet wurde, bereits unauflösbar an den katholisch orientierten Korporati- 19 Agostino Gemelli, Capitalismo e corporativismo. A proposito della istituzione delle corporazioni di categoria, in: Rivista Internazionale di Scienze Sociali e Discipline Ausiliarie 6 (1933) 732. (Übers. d. Verf.) 20 Angelo Brucculeri, Dal corporativismo dei cristiano-sociali al corporativismo integ- rale fascista, in: La Civiltà Cattolica I (1934) 226. (Übers. d. Verf.) 21 Der Ausdruck stammt aus einem Artikel von Francesco Vito, veröffentlicht im Juli 1934, in dem der Ökonom schrieb: „Niemandem kann entgangen sein, dass das korporative Konzept schnelle Fortschritte außerhalb von Italien macht, wo diese Idee – das italienische Experiment als Wegbereiter betrachtet – zur Realität wird.“ Francesco Vito, Le premesse dell’economia corporativa internazionale, in: Rivista Internazionale di Scienze Sociali 4 (1934) 557. Auch Gemelli bestätigte in dem bereits zitierten Artikel vom Dezember 1933, dass „zu sagen, dass die Welt diesen Weg geht“ nicht die Originalität des Faschismus angreife, „denn es verstärkt sogar die Verdienste des Faschismus zu sagen, dass [der Faschismus] der Welt, die einen Weg geht, die Einrichtung vorgibt, die zum Ziel führt.“ Gemelli, Capitalismo e corporativismo 732. 22 Bocci, Oltre lo Stato liberale 220. 23 Ebd.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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