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Die katholische Welt Italiens und der christliche Ständestaat
nicht von jener generellen Wertschätzung gegenüber dem österreichischen
korporativen Experiment ab, die auch seitens anderer Bereiche der italieni-
schen Katholikengemeinde geäußert wurde. Dennoch befasste sich der Jesuit
nur selten mit dem Thema des Korporativismus als solches und beschränkte
sich darauf, das katholische Österreich als Zeichen der Hoffnung auf die Er-
neuerung des bürgerlichen Lebens darzustellen – sowohl auf nationaler als
auch auf internationaler Ebene. Im Jänner 1934 betonte Rosa zum Beispiel,
dass in Österreich die
tröstlichen Bekundungen von Glauben und Katholizismus, die von denselben
Führungskräften auch im öffentlichen und sozialen Leben zum Ausdruck ge-
bracht werden, Grund zur Hoffnung sind, auch für die religiöse sowie zivile
und wirtschaftliche Zukunft dieser jungen und bisher so geschundenen Re-
publik. Da diese [Republik] unter christlicher Schutzherrschaft neugeboren
und gewachsen ist, sind die italienischen Katholiken erfreut zu sehen, dass
ihre Regierung ihr immer nähersteht, bereit und zugegen, ihre Lebendigkeit,
ihre Würde und ihr Recht zu schützen, unter gerechtfertigtem Beifall aller
Rechtschaffenden und vor allem der Katholiken42.
Im April desselben Jahres betonte Rosa,
die Notwendigkeit, dass das Deutschland des Duces Hitler Österreich nicht
übermannt, als zweiter deutscher Staat, und sein Hakenkreuz darf nicht das
katholische Kreuz vertreiben, durch und durch lateinisch und römisch, oder
vielmehr das einzig wahre Kreuz Christi, in dem allein die Rettung der Ge-
sellschaft liegt43.
In diesem Zusammenhang sei hervorgehoben, wie „Studium“ dem Thema
des Nationalsozialismus – dessen ideologische antichristliche Fundamente
in der Zeitschrift einer knappen Kritik unterzogen wurden – besondere Auf-
merksamkeit widmete. Besonders Dietrich von Hildebrand rief die Leser der
Zeitschrift in einem bedeutenden Artikel Ende des Jahres 1935 dazu auf, sich
nicht von einzelnen Maßnahmen [des Nationalsozialismus] blenden [zu] lassen, die
42 Enrico Rosa, Vita Ecclesiae, in: Studium 1 (1934) 72. (Übers. d. Verf.)
43 Ders., Vita Ecclesiae, in: Studium 4 (1934) 297. (Übers. d. Verf.)
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918