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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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147 Die katholische Welt Italiens und der christliche Ständestaat lässen übermittelten Worten und Gesten des Wohlwollens gegenüber dem ös- terreichischen Volk seitens Pius XI. – man betrachte beispielsweise die Reden vor österreichischen Pilgern, die zwischen 1933 und 193447 zu unterschied- lichen Gelegenheiten nach Rom gekommen waren, Dollfuß’ Privataudienz am Gründonnerstag 193348 und die Verleihung des Christusordens an den Bundespräsidenten Wilhelm Miklas am 21. Oktober 193349 – übte der Papst direkten Einfluss auf den heiklen institutionellen Übergang von der Demo- kratie zum autoritären ständischen Regime aus. So geschah es im Dezem- ber 1933, als den Vatikan ein Brief von Wiens Erzbischof Kardinal Theodor Innitzer erreichte, in dem Kardinal Pacelli der Gewissenskonflikt des Bun- despräsidenten Miklas bezüglich der neuen staatlichen Ordnung des Lan- des dargelegt wurde. Miklas könne der Verfassungsreform nicht zustimmen, weil diese in ihren Inhalten und Durchführungsbestimmungen gegen jenen Verfassungstext verstieß, auf den er zuvor seinen Eid geschworen hatte und dessen erster Garant er sein musste. Laut den Aufzeichnungen von Pacelli bei einer päpstlichen Audienz bestätigte Pius XI., als er von dem Brief erfuhr, Miklas Eid auf die Verfassung, erwiderte jedoch „die Verfassung ist für das Land, nicht das Land für die Verfassung“ und die Verfassungsänderungen seien für das „bessere Wohlergehen des Landes“. Daher handle Miklas „wenn nicht im Wortlaut, dann im Sinne seines Eids, um sie zu unterstützen und zu fördern“ 50. Einen letzten Beweis hinsichtlich seines Rückhalts für die autoritäre Hinwendung Österreichs lieferte Pius XI. infolge der gewaltsamen Ausein- andersetzungen zwischen dem „sozialistischen Schutzbund“ und dem Bun- desheer im Februar 1934, bei denen es Hunderte Opfer zu beklagen gab. Der Papst ermöglichte der Regierung das endgültige Verbot der sozialdemokrati- schen Partei. Der französische Botschafter beim Heiligen Stuhl hatte Kardi- nal Pacelli gebeten, beim österreichischen Kanzler zu intervenieren, um ihn vom Ergreifen allzu drastischer Maßnahmen gegenüber der Sozialdemokra- 47 Siehe dazu Anthony Rhodes, Il Vaticano e le dittature 1922–1945 (Milano 1975) 156 f. 48 Bortolo Galletto, Vita di Dollfuss (Roma 1935) 91. 49 Cronaca contemporanea, in: La Civiltà Cattolica IV (1933) 89. 50 Siehe dazu Klieber, Quadragesimo anno 356–358; Valvo, Dio 94–95 und Rupert Klie- ber, Die moralische und politische Schützenhilfe des Hl. Stuhles für den ‚Staatsumbau‘ Ös- terreich 1933/34 im Lichte vatikanischer Quellenbestände, in: Römische Historische Mittei- lungen 54 (2012) 549–559.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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