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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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149 Die katholische Welt Italiens und der christliche Ständestaat zerstören und den Glauben zu ersticken. De Gasperi verschloss jedenfalls nicht die Augen vor den Gefahren, die ein vollständiger Bruch der Regierung mit dem Arbeiterstand mit sich brächte: Dollfuß’ Sieg ist sicher nicht endgültig, außer er erobert die Seelen der Arbeiterklasse zurück. Der wahre Korporativismus beginnt jetzt. Cavour sagte, dass im Belagerungszustand alle in der Lage seien zu regieren; aber das Schwierige kommt danach53. Guido Gonella, der einen Artikel der Wie- ner Tageszeitung „Neue Freie Presse“ in der Zeitschrift „L’Osservatore Roma- no“ wiederveröffentlichte, behauptete: Die Unterdrückung der österreichischen Sozialdemokratie bedeutet nicht, wie auch Dollfuß kürzlich erklärt hat, den Beginn einer antidemokratischen Politik der Regierung, die nämlich die Rechte des Volks gegen die parteilichen Interessen der sozialistischen Organisationen verteidigen möchte54. Ebenso bedeutsam war das Urteil eines anderen ehemaligen FUCI-Mitglieds, Mario Bendiscioli, der – sich auf die Unterdrückung der sozialistischen Revolte und des nationalsozialistischen Terrorismus unter Dollfuß beziehend – von einem Kampf sprach, der von einem religiösen Ansatz geleitet und mit christlichem Geist geführt werde55. Eine völlig gegensätzliche Haltung nahm hingegen Don Luigi Sturzo ein, der Gründer des aufgelösten Partito Popolare Italiano. Aus seinem Exil in London übte er von der Aussetzung der parlamentarischen Tätigkeiten (März 1933) bis zum damalig gegenwärtigen Moment scharfe Kritik am Verhalten der österreichischen Regierung: Es ist traurig, dass die österreichische Christlich-Soziale Partei – anstatt dass sie alles versucht, um die Freiheit und Demokratie des eigenen Landes zu retten […] und mit der tatsächlichen und gleichzeitigen Entwaffnung aller Parteien fortfährt – sich dem Faschismus anvertraut, bewaffnete Truppen autorisiert und sogar selbst kleine Truppen hat […]. Die Folge ist, dass die Christlich-Soziale Partei heute gezwungen ist, sich mit der Regierung und den Faschisten zu solidarisieren und somit die blutige Unterdrückung einer Arbeiterrevolte zu unterstützen. Wir verteidigen die Sozialisten und ihre 53 Spectator, Quindicina internazionale, in: L’Illustrazione Vaticana, 1. März 1934, nun in: Alcide De Gasperi, Scritti di politica internazionale 1933–1938, Bd. I (Città del Vaticano 1981) 126. (Übers. d. Verf.) 54 Guido Gonella, Acta Diurna, in: L’Osservatore Romano, 21. Februar 1934 2. 55 Bendiscioli, La vita interiore di Ignazio Seipel 252.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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