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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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151 Die katholische Welt Italiens und der christliche Ständestaat Die tatsächliche, mehr oder weniger herrschende Übereinstimmung des stän- dischen österreichischen Regimes mit den Vorgaben der päpstlichen Lehre war eines der Hauptthemen der Debatte, in der eine Bandbreite an Meinun- gen aufeinandertrafen. In den Kolumnen von „Studium“ begrüßte Pater Rosa die Ratifizierung des Konkordats am 5. Juni 1933, dessen Inkrafttreten mit dem der neuen korporativen Verfassung am 1. Mai 1934 zusammenfiel, und bezeichnete sie als einen schönen Sieg für die Kirche, wie auch für einen Großteil der Nation, die kürzlich dem letzten Attentat der kommunistische Revolution zum Opfer fiel60. Auch „La Civilità Cattolica“ zeigte offen ihr Wohlgefallen, indem sie die Worte wiederholte, die Präsident Miklas anlässlich der Konkordats- unterzeichnung ausgesprochen hatte. Dieser hatte zufrieden festgestellt, die erste Handlung des neuen Österreichs ist die Ratifizierung des Abkommens zwischen dem Heiligen Stuhl und Österreich und dankte Gott, ihm als Staatschef‚ die Auf- gabe erteilt zu haben, dieses Konkordat für Österreich … verbindlich zu machen, wo- mit das katholische Österreich gewissermaßen seine Zukunft in der starken Festung der römisch-katholischen Kirche zusichert61. De Gasperis Urteil war vorsichtig: Es stimmt, schrieb er am 16. Mai 1934, dass die Kompilatoren der österreichi- schen Verfassung sich sehr löblich bemüht haben, einige der Richtlinien der Quadragesimo anno zu befolgen; aber die Enzyklika selbst befasst sich mit dem politischen Regime überhaupt nicht. Alles, was Leo XIII. und Pius XI. in Be- zug auf die Korporationen verlangen, ist sowohl mit einer parlamentarischen – das ist, wie wir gesehen haben, was in Belgien versucht wird – als auch mit einer autoritären und totalitären Regierung vereinbar. Die politische Machtorganisation, so wie sie in der neuen Verfassung festgelegt ist, ist also das Werk derjenigen, die Österreich regieren und die Frucht der Zeit mit ihren unmittelbaren Notwendigkeiten und Möglichkeiten62. Dies bestätigte auch Pater Brucculeri in „Gioventù Italica“, mit den Worten: Auf solche Fragen ausschließlich politischer Natur gibt die Qua- dragesimo anno keinerlei Antwort, denn sie beschäftige sich nicht mit politischem Handwerk, sondern [mit] Sozialethik63. Anderer Auffassung schien hingegen 60 Enrico Rosa, Vita Ecclesiae, in: Studium 5 (1934) 355–367. (Übers. d. Verf.) 61 Cronaca contemporanea, in: La Civiltà Cattolica II (1934) 444. (Übers. d. Verf.) 62 Spectator, Quindicina internazionale, in: L’Illustrazione Vaticana, 16. Mai 1934, nun in: De Gasperi, Scritti di politica internazionale 145. (Übers. d. Verf.) 63 Angelo Brucculeri, Pio XI e l’ordinamento corporativo, in: Gioventù Italica 7 (1934) 196. (Übers. d. Verf.)
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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