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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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152 Paolo Valvo Bendiscioli zu sein: Die einflussreiche Verkündung der päpstlichen Enzyklika be- stätigte die Gültigkeit und Angemessenheit,die jene Prinzipien aufwiesen, die sich Seipel zu eigen gemacht hatte. Dieser hatte sich ab 1927 in Richtung eines antidemokratischen und antiparlamentarischen Staatskonzepts orientiert, in dem er das Prinzip des Korporativismus nutzte, das sich in Italien bereits als Basis für die wirtschaftlich-politische Neuorganisation nach dem Scheitern des wirtschaftlichen und politischen Liberalismus durchgesetzt hatte64. Der Unterschied der Pläne von De Gasperi hinderte den Trieninter Politiker jedenfalls nicht daran, die Ehrlichkeit des Bürgersinns und die Heilig- keit der Absichten zu betonen, mit denen die österreichischen Regierenden die neue Verfassung verabschiedet hatten, in die die aufrichtigste und engste Zusammenarbeit mit der Kirche bei der Lehre und Verteidigung der Moral65 einge- schrieben wurde. In Bezug auf die autoritäre Regierungsweise des Regimes sei angemerkt, dass De Gasperi die österreichische Diktatur als eine vorüber- gehende Erscheinung verstand, welche die personalistische Vision, die bis zu diesem Moment die Christlich-Soziale Partei beseelt hatte, nicht beeinträchti- gen sollte. Am 16. August 1934 schrieb er: Die Wiener Christlich-Sozialen – zur Diktatur gezwungen, um die Unabhäng- igkeit zur retten; genötigt, das parlamentarische System aufzugeben, um nicht der Demagogie zu erliegen; gedrängt, parteiische Truppen zu organisieren, um sich der politischen Gewalt Hitlers entgegenstellen zu können – bemühen sich dennoch ein System zu schaffen, das auf der Kraft des Gesetzes gründet und nicht auf dem Gesetz der Kraft. Dieses Bemühen, diese Suche, war das Unglück Dollfuß’. […] Welch Katastrophe – das Ideal vor Augen haben und, aus Notwehr, dazu gezwungen sein, den Galgen aufzurichten und als Tyran- nen bezeichnet zu werden!66 64 „Also korporativer Staat gegen atomistischen Staat; autoritärer Staat gegen demokrati- schen Staat; Dominanz des Willens einer sozialen Gliederung gegenüber dem Individualis- mus.“ Siehe Bendiscioli, La vita interiore di Ignazio Seipel 250. (Übers. d. Verf.) 65 Spectator, Quindicina internazionale, in: L’Illustrazione Vaticana, 16. Mai 1934 147. (Übers. d. Verf.) 66 Spectator, Quindicina internazionale, in: L’Illustrazione Vaticana, 16. August 1934, nun in: De Gasperi, Scritti di politica internazionale 173 f. (Übers. d. Verf.)
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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