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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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154 Paolo Valvo wendige antikommunistische Funktion zu erfüllen, ohne dabei dem Exzess des Nationalsozialismus zu erliegen“, wie es in Österreich mit Seipel und Dollfuß sowie in anderen Ländern wie Ungarn, Portugal und Brasilien der Fall war, generell positiv gegenüberstand73. Ganz anders waren hingegen die Einschätzungen von Sturzo und anderen ehemaligen populären Volks- führern im Exil. Bereits vor den blutigen Ereignissen im Februar 1934 hatte der Priester seine Besorgnis hinsichtlich Österreichs politischer Hinwendung zum Autoritarismus ausgedrückt: Wir haben mit Sympathie und Bangen Dollfuß Bemühen verfolgt, die österreichische Unabhängigkeit zu verteidigen und ein Gefühl der nationalen Einheit zu schaffen, schrieb er am 1. Oktober 1933 in „El Matí“ von Barcelona aus, aber wir haben immer gefürchtet, dass ein übermäßiger Par- lamentarismus negative Auswirkungen auf den internen Reformplan und die Auf- fassung von Regierungsautorität hat. Dollfuß’Aussage, eine autoritäre Demokratie zu wollen, die dann zu einem autoritären Staat wird, hat sofort gezeigt, wie frag- würdig und gefährlich der Kampf ist. Der Schluss, zu dem Sturzo kam, kehr- te das Bild von Österreich als antinationalsozialistisches Bollwerk – das ein Großteil der italienischen Katholiken hatte – vollständig um. Sturzo war der Meinung, wenn sich politische Parteien auflösen, Konzentrationslager oder präven- tive Gefangenschaft aus politischen Gründen geplant werden, Parlamente per Dekret außer Kraft gesetzt werden, durch hoheitliche Akte Institute umgewandelt werden, bewaffnete Truppen in der Hand einer einzelnen Partei autorisiert werden, dann ist es offensichtlich, dass sich eine – wenn auch verdeckt – faschistische oder national- sozialistische Diktatur errichtet74. 73 Renato Moro, La formazione della classe dirigente cattolica (1929–1937) (Bologna 1979) 503 f. Siehe dazu auch aktuelle Überlegungen von Jorge Dagnino, der sich besonders auf das Umfeld der FUCI beruft und hervorhebt, dass die Gutheißung von Regimen wie denen von Dollfuß, Salazar und Horthy seitens der meisten katholischen Hochschulangehörigen nicht auf den Wunsch zurückging, zur mittelalterlichen Christenheit zurückzufinden, sondern auf eine besondere Deutung der Moderne, welche sie ihn diesen Formen von Autoritarismus den Keim einer neuen Welt erkennen ließ. Dagnino, Faith 145. 74 Luigi Sturzo, Democrazia autoritaria o monarchia costituzionale?, in: El Matí, 1. Ok- tober 1933, nun in: Ders., Miscellanea londinese, Bd. II (Bologna 1967) 267 f. (Übers. d. Verf.)
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
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