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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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158 Paolo Valvo Nicht anders waren die Worte von Bendiscioli, der jedoch im Vergleich zu Hildebrand die Kontinuität der Tätigkeit Dollfuß’ und dem Werk seines Vor- gängers Seipel hervorhob. Beide schienen dem ehemaligen FUCI-Mitglied trotz ihrer unterschiedlichen Schicksale – wenn auch auf Seipel 1924 ein schlimmes Attentat verübt wurde – vereint in der Opferung ihres eigenen Lebens für die Errichtung eines neuen und christlichen Österreich88. Vor Dollfuß war auch Seipel, der seinerseits eine beträchtliche Popula- rität in den Kreisen italienischer Katholiken genoss89, auf hagiografische Wei- se gelobpreist worden. Am Tag nach dem Attentat auf den österreichischen Prälaten hatte ihn zum Beispiel die „Gioventù Italica“ mit dem Präsidenten von Ecuador Gabriel García Moreno verglichen – das historische Vorbild ei- nes katholischen Staatsmanns „par excellence“. Dieser war am 6. August 1875 vermutlich auf Befehl der Freimaurer ermordet worden, weil diese ihm das enge Bündnis des Staates mit der katholischen Kirche und die Weihe Ecu- adors dem Heiligen Herzen Jesu im Jahr 1871 nicht verziehen hatten90. Ge- nau wie García Moreno war der Zeitschrift zufolge auch Seipel „Opfer seines christlichen Reformprogramms“ geworden91. Dass der Mythos um García Moreno in der kollektiven Vorstellung weiter existierte, zeigt die Tatsache, dass auch zwischen Dollfuß und dem ecuadorianischen Präsidenten Parallelen gezogen wurden. So auch in den Worten des Gedenkens an Kanzler Dollfuß in „Gioventù Italica“ im Septem- ber 193492 und im von Monsignore Hudal im Juni 1935 verfassten Vorwort zu Bortolo Gallettos Buchband „Vita di Dollfuß“93, eine der ersten Veröffent- lichungen des römischen Verlagshauses „Ave“ (Ausdruck der „Gioventù“ der Azione Cattolica). In Bezug auf das Werk von Galletto ist ebenfalls die 88 Bendiscioli, La vita interiore di Ignazio Seipel 252 f. 89 Zur Bekräftigung der von der Person Seipel ausgehenden Faszination eine kleine An- ekdote zum jungen Giorgio La Pira, der in einem Brief vom 8. März 1928 davon berichtete, in Wien einen Vortrag des Kanzlers vor der katholischen Hochschuljugend angehört zu haben, den er „wundervoll“ fand. Siehe Luigi Rogasi (Hg.), Giorgio La Pira: lettere agli zii. Corri- spondenza inedita (Firenze 2008) 88. 90 Zur Person García Moreno und seiner Popularität im Katholizismus weltweit siehe die weitgreifenden Beobachtungen von Jean Meyer, Historia de los cristianos en América Latina. Siglos XIX y XX (Barcelona 1999) 127–139. 91 Moro Rhemabi, Monsignor Dott. Ignazio Seipel, in: Gioventù Italica 7 (1932) 100. 92 D. Kip, In memoria di Egilberto Dollfuss, in: Gioventù Italica 9 (1935) 264 f. 93 Alois Hudal, Prefazione in: Galletto, Vita VII.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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