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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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160 Paolo Valvo 4. Der österreichische Ständestaat in der katholischen Publizistik vom Mord an Dollfuß bis zum „Anschluss“ Am Tag nach der Ermordung des österreichischen Kanzlers wich die Bestür- zung der katholischen Welt Italiens recht bald der Überzeugung, dass sein Nachfolger Kurt von Schuschnigg der Lehre Dollfuß’ zum Wohle Österreichs und ganz Europas treu bleiben werde. Es steht nicht fest, ob dieser Glau- be jeweils auf einer sachlichen Bewertung der internen und internationalen politischen Entwicklungen basierte oder vielmehr auf dem Willen, den „Alb- traum“, den das Fallen Österreichs in die Hände der Nationalsozialisten für den Großteil der italienischen Katholiken darstellte, zu verbannen. Sicher ist jedoch, dass die Betonung der Kontinuität zwischen Schuschnigg und Dollfuß zu einer Art „Themenschwerpunkt“ wurde, von dem die katholi- sche Publizistik nicht abwich, bis praktisch der „Anschluss“ vollzogen war. In dem bereits zitierten Beitrag für „Vita e Pensiero“ schrieb Dietrich von Hildebrand beispielsweise, dass Dollfuß’ Nachfolger und seine Mitarbeiter mit dem Auffangen seines mit Blut bespritzten Vermächtnisses entschieden, mit unerschütterlichem Willen sein großes Werk in seinem Sinne weiterzuführen und aus dem christlichen und unabhängigen Österreich eine Mauer der Verteidigung zu machen, gegen Feinde des Christentums und der ganzen westlichen Zivilisation, gegen den Bolschewismus und den Nationalsozialismus96. In die gleiche Richtung ging der Autor der in „Gioventù Italica“ publizierten Gedenkworte, welcher von der Parallele zwischen Dollfuß und Garcìa Moreno ausgehend betonte, Letzterer sei eine einsame Blume im Urwald am Äquator; er hatte keine Vorgänger und leider, in seinem unglücklichen Land, keine Nachfolger. Österreich befindet sich erfreulicherweise in einer glücklicheren Lage 97. Zwei Wochen nach dem Juliputsch bestätigte auch Gonella: Dollfuß hat auf festem Boden gebaut. Das Blut des Opfers hat endgültig eine Politik geweiht, die nicht mehr gewendet werden darf und kann. Das, was in den trüben Tagen in Wien Hoffnung und Zuversicht war, ist heute Sicherheit. Österreich hat wieder eine Ord- nung gefunden und ein Oberhaupt, das Dollfuß Treue geschworen und damit gewusst 96 Hildebrand, Dollfuss „miles Christi“ 553. (Übers. d. Verf.) 97 Kip, Memoria 265. (Übers. d. Verf.)
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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