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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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164 Paolo Valvo Persönlichkeiten Seipel und Dollfuß auf der einen Seite weiterhin eine be- achtenswerte Faszination bei den Katholiken109 hervorriefen – deutlich mehr als Schuschnigg, demgegenüber immerhin die katholische Presse stets ihre Wertschätzung äußerte –, wich die breite Anteilnahme an den Geschehnis- sen im Land immer mehr einer konzentrierteren Aufmerksamkeit auf Ein- zelbereiche des österreichischen korporativen Experiments und weniger auf das Regime in seiner Gesamtheit110. Besonders bedeutsam war beispielsweise das Thema der katholischen Jugendverbände, die dem Vorhaben des Regimes von Schuschnigg zufolge in einer einzigen Staatsjugendorganisation zusam- menfließen sollten und in enger Verbindung zur „Vaterländischen Front“ stehen sollten. Dieser Punkt war – insgesamt zugunsten der Autonomie der katholischen Organisationen – bereits im Zusatzprotokoll des Konkordats vom 5. Juni 1933 geregelt111; das österreichische Episkopat war sich jedoch bezogen, die von De Gasperi war mehr historisch-kulturell geprägt. Die Tatsache, dass Letz- terer sich beinahe ein Jahr lang nicht auf ein Thema konzentriert hatte, dass ihm so wichtig war wie Österreich – vielmehr aus biografischen als aus intellektuellen Gründen – ist wahr- scheinlich ein Zeichen dafür, dass es im Allgemeinen in den katholischen Kreisen Italiens teilweise seinen „ideologischen Appeal“ verloren hatte. 109 Ein sinnbildliches Beispiel dafür ist der Bericht von Luigi Prosdocimi über eine Reise nach Österreich im Oktober 1935, der in der Zeitschrift der FUCI veröffentlicht wurde. Darin berichtet das junge FUCI-Mitglied von seinen Eindrücken nach einem Besuch der Christkö- nigskirche, wo die beiden Kanzler Seipel und Dollfuß beigesetzt waren, und beschreibt die beiden Staatsmänner wie folgt: Der gelehrte und bescheidene Priester, der arm starb, weil er alles Bedürftigen gab, die praktische und vielsagende Bestätigung der von ihm befürworteten sozialen und wirtschaftlichen Reformen; und der Laie, der sein privates und öffentliches Leben zu einer Mission des Wohls und Friedens machte – wie es der Gedenkstein an seinem Grab sagt – „opferte sein Leben für das Vaterland“, für ein deutsches und christliches Österreich. Siehe Luigi Prosdocimi, Viaggio in Austria. Dal mausoleo degli Asburgo alla tomba di Dollfuss, in: Azione Fucina, 24. No- vember 1935 1 (Übers. d. Verf.). Speziell Seipel betreffend war es sehr bedeutsam, dass die Zeitschrift „L’Assistente Ecclesiastico“ den Assistenten der Katholischen Aktion seine Per- son noch im Dezember 1937 als Bezugsmodell antrug. Siehe Faustino Gianani, Monsignor Ignazio Seipel, in: L’Assistente Ecclesiastico 12 (1937) 696–700. 110 Das soll jedoch nicht heißen, dass die Aufmerksamkeit der Katholiken in Bezug auf das Thema Korporativismus als solches abnahm. Aus dem allgemeinen Interesse des italie- nischen Katholizismus schien vielmehr das österreichische Modell als korporativer „My- thos“ zu verschwinden. 111 In dem oben genannten Protokoll (Art. XIV.) räumt die österreichische Regierung den Organisationen, die Teil der Katholischen Aktion sind, die „volle Freiheit hinsichtlich ihrer Organisation und Tätigkeit“ ein und verpflichtet sich zudem dafür zu sorgen, dass „die Erhaltung und Entfaltungsmöglichkeit der seitens der zuständigen kirchlichen Oberen anerkannten katholischen Jugendorganisationen geschützt“ wird und dass „in vom Staat eingerichteten Jugendorganisationen der katholischen Jugend die Erfüllung ihrer religiö- sen Pflichten in würdiger Weise und ihre Erziehung in religiös-sittlichem Sinne nach den Grundsätzen der Kirche gewährleistet“ wird. Siehe Enchiridion dei Concordati. Due seco- li di storia dei rapporti Chiesa-Stato, hrsg. von Erminio Lora (Bologna 2003) 863 (Übers.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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