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Karlo Ruzicic-Kessler
2. Die Geschichte zweier Parteien
Gerade im Zusammenhang mit der Geschichte des PCI und der Weltbewe-
gung erscheint die Erinnerung an Marek umso bedeutender. Für die Erklä-
rung dieser Verbindung bedarf es auch eines kurzen Vergleiches der KPÖ mit
dem PCI. Nach 1945 etablierte sich der PCI nicht nur als eine der tragenden
Kräfte der Italienischen Republik, sondern auch als bedeutendste westeuro-
päische KP. Der PCI war es, der am ehesten und am stärksten gegen die Figur
des „monolithischen“ Kommunismus antrat. Während der Begriff „Eurokom-
munismus“10 weithin mit dem PCI und insbesondere mit Enrico Berlinguer
in Verbindung gebracht wird, war Palmiro Togliatti als langjähriger General-
sekretär bereits jemand, der die Möglichkeiten einer eigenständigen Linie im
kommunistischen Block auslotete. Die 1956 formulierte These des „Polyzent-
rismus“, die eines der grundlegenden Elemente seines Erbes darstellt, ist im
Grunde genommen als logische Konsequenz der politischen Vorstellungen
im PCI ab der svolta di Salerno11 – Beitritt zur Übergangsregierung – vom April
1944 zu verstehen. Damit war die Partei zwischen einer nationalen und einer
internationalistischen Politik hin- und hergerissen. Über diese „doppelte Zu-
gehörigkeit“ während des Kalten Krieges sind bereits Jahrzehnte der Debatte
in der italienischen Historiographie vergangen12. Ab wann Palmiro Togliatti
tatsächlich einen eigenständigen Weg zum Sozialismus für seine Partei woll-
te, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen13. Jedenfalls verfolgte Togliatti in den
1950er Jahren und insbesondere nach dem Tod Stalins 1953 die Idee einer
Autonomie des PCI innerhalb der sowjetisch dominierten Welt des Kommu-
nismus.
10 Der Begriff „Eurokommunismus“ ist eine Fremdzuschreibung des Journalisten Frane
Barbieri, der diesen in der Tageszeitung „Giornale Nuovo“ im Juni 1975 erstmals verwen-
dete. Im Allgemeinen bezeichnet dieser die Reformbewegungen kommunistischer Parteien
Westeuropas in den 1970er und 1980er Jahren. Die Heterogenität dieser Bewegungen zeigt
allerdings die Probleme in der Verwendung eines einzigen Begriffes auf.
11 Siehe Elisabetta Brighi, Foreign Policy, Domestic Politics and International Relations.
The Case of Italy (New York 2013) 110 ff.
12 Il PCI nell’Italia repubblicana, hrsg. von Roberto Gualtieri (Roma 2001).
13 Siehe hierzu folgende Darstellungen zu den Interpretationen des Kurses im PCI: Karlo
Ruzicic-Kessler, Der Kommunismus und die Frage von Triest im frühen Kalten Krieg, in:
Römische Historische Mitteilungen 58 (2016) 355–388, 361 f.; Silvio Pons, L'impossibile ege-
monia. L'Urss, il Pci e le origini della guerra fredda 1943–1948 (Roma 1999).
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918