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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Seite - 176 -
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176 Karlo Ruzicic-Kessler 3. Eine neue Verbindung Am 22. Januar 1951 verunfallte Franz Marek auf einer Autofahrt in der Nähe von Florenz, gemeinsam mit Parteimitgliedern des PCI. Die italienischen Ge- nossen Ilio Barontini, Leonardo Leonardi und Otello Frangioni kamen ums Leben18. Die schweren Verletzungen zwangen Marek zu einem mehrmonati- gen Spitalsaufenthalt in Italien. Retrospektiv meinte er zu seinen Eindrücken: Wieder das große Erlebnis – die große Partei, die tiefe Verankerung in den Massen, […] – ganz arme Teufel kamen ins Spital, um mir eine Orange zu bringen –, […] [dies] rührte mich mehr als die Besuche Longos19, Pajettas20 usw., so sehr sie mich ehrten. Und knapp, nachdem ich den Schock und die Operation überwunden hatte – die Entdeckung Gramsci, nicht nur der Briefe aus dem Kerker – sie alle lagen in deutscher Übersetzung vor, sondern auch die anderen Werke. Obwohl damals nur zensuriert gedruckt, machten sie auf mich einen gewaltigen Eindruck, schwante mir die Enge unseres „Marxi- smus-Leninismus“ – sofort nach 1956 griff ich auf Gramsci zurück.21 Diese Entdeckung prägte Mareks Vorstellungen in den folgenden Dekaden22. 1956 war in der Tat eine entscheidende Zäsur für die kommunistische Welt. Drei Ereignisse waren hierfür entscheidend23. Das erste war die Geheimrede Nikita Chruschtschows auf dem XX. Parteitag der KPdSU. Chruschtschow 18 Il mortale scontro a 9 Km. da Firenze, in: l’Unità (23.1.1951). 19 Luigi Longo (1900–1980). Longo war nach dem Zweiten Weltkrieg hinter Palmiro Tog- liatti der zweite Mann des PCI und nach Togliattis Tod Generalsekretär des PCI (1964–1972). 20 Giancarlo Pajetta (1911–1990). Pajetta war Repräsentant des PCI bei der Komintern und im Widerstand in Frankreich und Italien engagiert. Ab 1946 war er Abgeordneter im italie- nischen Nationalrat und ab 1948 Mitglied des ZK-Sekretariats des PCI. Er war maßgeblich verantwortlich für die internationalen Beziehungen des PCI und wiederholt Chefredakteur des Parteiorgans l’Unità. 21 Marek, Erinnerungen 177. 22 Zuletzt auch von seinem Wegbegleiter und Mitarbeiter im Wiener Tagebuch Peter Weinberger beschrieben: Interview des Autors mit Peter Weinberger (8.1.2018). Zu den Ab- handlungen Mareks über Gramsci sei beispielhaft auf folgende Texte verwiesen: Franz Ma- rek, Antonio Gramsci, in: Weg und Ziel 24/2 (1966) 99–109; Ders., Antonio Gramsci. Zu sei- nem 30. Todestag, in: Weg und Ziel 24/4 (1967) 183–195. 23 Siehe: Karlo Ruzicic-Kessler, Die Kommunistische Partei Italiens und das Jahr 1956, in: Jahrbuch für Mitteleuropäische Studien (2015/2016) 121–137; Maria Luisa Righi, Quel terri- bile 1956. I verbali della Direzione comunista tra il XX Congresso del Pcus e l’VIII Congresso del Pci (Roma 1996).
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
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