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Franz Marek und der italienische Kommunismus
gebrochen wurde46. Auch Marek war in der Frage der Ereignisse von Ungarn
nicht bereit, Kritik an der Sowjetunion zu üben. Für ihn war man in Budapest
nicht konsequent bei der Umsetzung der Entscheidungen vom XX. Parteitag
gewesen47. Jedenfalls setzte er zu diesem Zeitpunkt seine Hoffnung in die Er-
neuerung in der Sowjetunion und in Togliatti:
Meine Entscheidung war: Togliatti hat recht, man muß die wirklichen Ursa-
chen einer Entwicklung untersuchen, die man trotz der entsetzlichen Verbre-
chen nicht als einen Kriminalroman des ‚Personenkults‘ servieren kann. […]
Mit der Sowjetunion, die sich erneuert, muß sich auch die ganze Bewegung
erneuern.48
Nun orientierte sich die KPÖ am „Weg Österreichs zum Sozialismus“, als
Spiegel der italienischen Entwicklungen. Sichtbar wurde dies im Parteipro-
gramm von 195849. Marek verlangte folgerichtig nach dem Misserfolg der
KPÖ bei den Wahlen von 195950 den Rücktritt der gesamten Parteileitung,
was zumindest einen Bruch mit dem Apparat in Österreich vermuten lässt51.
4. Franz Marek, die internationale Bewegung
und der PCI
In den 1960er Jahren setzte in Marek immer stärker der Prozess der Desil-
lusionierung ein. Obschon er weiterhin an die Sowjetunion glaubte, mach-
ten Ereignisse wie der Konflikt zwischen Moskau und Peking einen deut-
46 Manfred Mugrauer, Zwischen Erschütterung, neuer Offenheit und „Normalisie-
rung.“ Die KPÖ, der 20. Parteitag der KPdSU und die Ungarn-Krise 1956, in: Osteuropa vom
Weltkrieg zur Wende, hrsg. von Wolfgang Mueller, Michael Portmann (Wien 2007) 257–297.
47 Franz Marek, Zu den Ereignissen in Ungarn, in: Weg und Ziel 14 Nr. 12 (1956) 866–876.
48 Marek, Erinnerungen 186.
49 Der Weg Österreichs zum Sozialismus. Programmatische Leitsätze, beschlossen von
einer Konferenz der Kommunistischen Partei Österreichs am 19. und 20. Februar 1958, hrsg.
von KPÖ (Wien 1958); Leopold Spira, Ein gescheiterter Versuch. Der Austro-Eurokommunis-
mus (Wien–München 1979) 35 f.
50 Bei den Wahlen von 1959 verlor die KPÖ bekanntlich ihren letzten Sitz im österreichi-
schen Parlament.
51 Ernst Fischer, Das Ende einer Illusion. Erinnerungen 1945–1955 (Wien–München–Zü-
rich 1973) 163–167.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918