Seite - 187 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Bild der Seite - 187 -
Text der Seite - 187 -
187
Franz Marek und der italienische Kommunismus
Im Oktober besprach die Auslandssektion des PCI Fragen zur Wiener Konfe-
renz. Nun stellten sich die Italiener auf die Seite des PCF – mit dem sie sich
im September über das Thema ausgetauscht hatten – und waren gegen das
Abhalten einer öffentlichen Konferenz. Die österreichischen Genossen baten
hierauf um ein Treffen mit Vertretern des PCF und des PCI in Wien, um das
weitere Vorgehen und den Charakter der Konferenz zu besprechen77.
Über die Besprechung zwischen den drei Parteien ist aus der Überlie-
ferung nichts bekannt. Sie dürften sich allerdings auf einen Modus geeinigt
haben, der während des Vorbereitungstreffens vom Dezember 1965 in Wien
zur Sprache kam. Dort fanden sich die Vertreter der KPs Deutschlands, Frank-
reichs, Belgiens, Schwedens, Dänemarks, Spaniens, Finnlands, West-Berlins
und Italiens ein. Der PCI entsandte Dino Pelliccia und Carlo Galluzzi. Franz
Marek war die treibende Kraft hinter der öffentlichen Konferenz gewesen. Da
diese nicht mehr möglich war, beschlossenen die anwesenden Parteien, eine
tägliche Information für die Presse zu verfassen und am Ende der Konferenz
eine Pressenkonferenz unter österreichischer Führung abzuhalten78. Marek
hatte bei seinem Auftritt während der Vorbereitungskonferenz viel Beifall
von italienischer Seite erhalten. Insbesondere die Tatsache, dass er dafür
plädierte, nicht eine Schau der einzelnen Parteien zu präsentieren und kein
theoretisches Seminar abzuhalten, gefiel dem PCI79. Die Wiener Konferenz fand
schließlich Anfang Mai 1966 statt. 15 westeuropäische KPs nahmen teil. Franz
Marek eröffnete die Diskussion mit der erneuten Aufforderung über konkre-
te Probleme der Arbeiterbewegung in Westeuropa zu sprechen. In seinem
eigenen Beitrag ging er auf diese Fragen ein. Die italienischen Delegierten
Pelliccia, Ugo Pecchioli, Leo Canullo und Umberto Scalia attestierten Marek,
als einziger ausführlich über die Probleme der Arbeiterbewegung reflektiert
und nicht nur die nationale Situation wiedergegeben zu haben. Darüber hinaus
zeigte sich die Nähe der neuen Führung der KPÖ zur italienischen Linie in
77 Direzione del P.C.I. – Sezione Esteri, Nota per la Segreteria, Situazione relativa alla
proposta del P.C. Austriaco per una conferenza sulla unità d’azione e la lotta contro i mo-
nopoli, 7.10.1965, FIG, APCI, 1965, Esteri, mf. 527, 1793–1794, siehe auch: Posizione dei Partiti
interessati sulla proposta dei compagni austriaci, ebd., 1795.
78 Sulla Conferenza dei Partiti Comunisti dell’Europa occidentale proposta dal P.C. Aus-
triaco. Nota sulla riunione, 17.12.1965, FIG, APCI, 1965, Esteri, mf. 527, 1801–1802.
79 Verbale sommario sullo svolgimento della riunione di Vienna, FIG, APCI, 1965, Esteri,
mf. 527, 1803–1806.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918