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Karlo Ruzicic-Kessler
beruft, während das „Tagebuch“ Artikel aus Rinascita in fast jeder Ausgabe
in Übersetzung abdruckt. Behalten wir ruhig anständige Beziehungen mit der
[…] Gespenstpartei125, aber diese können nicht exklusiv sein [und] mit einem
„Verbot“ der Beziehungen zum „Tagebuch“ einhergehen126.
Als in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre mit Enrico Berlinguer an der Par-
teispitze ein „historischer Kompromiss“ mit der christdemokratischen DC
gesucht wurde, die italienischen Kommunisten die NATO anerkannten und
sich immer offener gegen Moskau stellten127, waren die Gedanken des ausge-
schlossenen Marek von nicht geringer Bedeutung. Im Sammelwerk zur Sto-
ria del marxismo contemporaneo erschien ein Beitrag Mareks, der das Interesse
der italienischen Kommunisten an seinen Gedanken unterstrich128. Die Ein-
leitung des posthum erschienenen Werkes von Ernesto Ragionieri über die
3. Internationale schrieb Marek129. Als im Februar 1979 in Andenken an den
1975 verstorbenen Ragionieri ein Forschungsinstitut in Florenz gegründet
wurde, war unter den Rednern auch Marek präsent. Er unterstrich die Bedeu-
tung Ragionieris bei der Propagierung Gramscis Gedanken in Österreich und
Deutschland. Die Persönlichkeit und Werke des italienischen Parteigründers
hatten die beiden Männer über viele Jahre verbunden. Marek wurde auch ins
Direktionskomitee des Instituts gewählt130.
Auch im Zusammenhang mit dem „Eurokommunismus“ war das
Schaffen Mareks nach dem Parteiausschluss zentral. Im „Wiener Tagebuch“
entstand eine Chronik der Debatten und Ereignisse in Europa. Marek ließ
viele Dissidenten aus Osteuropa und Vertreter der westeuropäischen KPs zu
Wort kommen. Er engagierte sich stets in der Debatte um den „Eurokommu-
nismus“ und kritisierte die italienische, französische und spanische KP in
125 Deutsch im Original.
126 Lucio Lombardo Radice an Sergio Segre, 7.11.1975 [Hervorhebungen im Original], FIG
APCI, Fondo Lucio Lombardo Radice, Corrispondenza Mal–Mar, fasc. Marek, Franz. (Übers.
d. Verf.)
127 Siehe: Dörr, Die rote Gefahr, Ders., Emanzipation und Transformation. Rückblick auf
den Eurokommunismus, in: Osteuropa 63 nr. 5/6 (2013) 255–720
128 Franz Marek, Socialismo sovietico e rivoluzione mondiale in Stalin, in: Annali, Istitu-
to Giangiacomo Feltrinelli, Storia del marxismo contemporaneo (Milano 1973) 964–979.
129 Ernesto Ragionieri, La terza internazionale e il partito comunista italiano (Roma 1978).
130 L’istituto Ragionieri nuovo strumento di ricerca storica, in: l’Unità (11.2.1979): Franz
Marek ricorda Ernesto Ragionieri, in: l’Unità (15.2.1979).
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918