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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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211 Bruno Kreisky und die italienische Linke – ein Forschungsdesiderat Aussagen herausgefordert. Der in der Partei für internationale Fragen zustän- dige Carlo Galluzzi verfasste eine Antwort, in der er dem SPÖ-Chef wider- sprach und die Ansicht vertrat, dass seine Partei vor und nach 1968 genügend Beweise für eine autonome, demokratische Haltung im Sinne einer via ita- liana al socialismo erbracht hätte. Abschließend kündigte er an, dass der PCI für eine Konfrontation und Debatte über die Zukunft der italienischen und europäischen Linken bereitstehe20. Kreisky sprach dennoch von einer Schein- diskussion und wollte beim besten Willen […] keine Ansätze für eine „autonome Politik“ des PCI erkennen. Er schloss seine Replik mit folgender Einschätzung und Ankündigung ab: Vorläufig also haben sich die italienischen Kommunisten nur theoretisch und nur unter Kautelen von der Idee des Leitstaates und von der Leitpartei ent- fernt. Es bleibt also noch die weitere Entwicklung abzuwarten, und dennoch bin ich der Meinung, daß wir Sozialdemokraten dort, wo sich die Möglichkeit zu einer harten Auseinandersetzung mit kommunistischen Parteien bietet, die Gelegenheit zu ergreifen haben, um so mehr als wir Sozialdemokraten uns nie im exklusiven Besitz der alleinseligmachenden Wahrheit betrachten. Genau das war es, was übrigens jede bisherige Diskussion so sinnlos gemacht hat, nämlich der Anspruch auf die alleinseligmachende Wahrheit – auch wenn sie häufigen Veränderungen unterworfen war –, der von den Kommunisten er- hoben wurde. Wenn also Carlo Galluzzi zur Konfrontation bereit ist, wir sind es auch. Aber ich sehe nicht die Entwicklungen, die jene Probleme beseitigen, die die Anhänger der kommunistischen Diktatur und jene der sozialen Demo- kratie seit fünfzig Jahren entzweien.21 Interessanterweise scheute Kreisky auch nicht davor zurück, mit führenden Repräsentanten des PCI in Kontakt zu treten, wenn er der Ansicht war, dass dies seinen Anliegen in Bezug auf Italien dienlich sein könnte. Kreisky be- Endings, hrsg. von Melvyn P. Leffler, Odd Arne Westad (Cambridge 2010) 45–65; Nikolas Dörr, Emanzipation und Transformation. Rückblick auf den Eurokommunismus, in: Ost- europa 63/Heft 5/6 (2013) 255–270. 20 Sozialdemokratie und Kommunismus (II). Eine Diskussion zwischen Bruno Kreisky und Carlo Galluzzi. Der kommunistische Standpunkt: Carlo Galluzzi, in: Kreisky, Aspekte 87–93. 21 Sozialdemokratie und Kommunismus (II). Eine Diskussion zwischen Bruno Kreisky und Carlo Galluzzi. Der sozialdemokratische Standpunkt: Bruno Kreisky, in: ebd. 94–100.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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