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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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212 Maximilian Graf mühte sich seit den 1960er-Jahren aus humanitären Gründen um die Frei- lassung des in Italien inhaftierten, erkrankten österreichischen Kriegsverbre- chers Walter Reder, ohne dabei die Schwere seiner Verbrechen zu relativie- ren. Darüber hatte er im Verlauf der Jahre mit vielen Politikern gesprochen, in den ersten Jahren seiner Kanzlerschaft sogar mit dem Führer der italienischen Kommunisten Enrico Berlinguer, den er davor nicht persönlich gekannt hatte22. Seinen Ausgang nahm das Treffen mit einem Schreiben Kreiskys an den Chef des PCI vom 13. April 1973, in dem er aus humanitären Gründen um ein Eintreten für die Begnadigung Reders ersuchte23. Laut einer von den fran- zösischen Sozialisten eruierten ersten Antwort, hatte Berlinguer größtes Ver- ständnis für das Ersuchen gezeigt und eine Prüfung zugesichert. Aufgrund der Brisanz des Falles wollte Berlinguer das Dossier Reders vor einer Stel- lungnahme eingehend prüfen. Kreisky hatte auch ein Treffen mit Berlinguer angeregt. Dieser soll sich gegenüber einer Begegnung in Triest abgeneigt ge- zeigt haben, da ein solches Treffen sofort publik werden würde, war aber grund- sätzlich zu einer Aussprache mit Kreisky in einer unauffälligeren Weise bereit. Schließlich trafen die beiden einander zum Frühstück in Kreiskys Villa in der Armbrustergasse 15 in Wien. Kreisky berichtet über das Gespräch in seinen Memoiren. Berlinguer hat mich darauf aufmerksam gemacht, daß so eine Freilassung zwar einige Tage lang einen Wirbel auslösen, dann aber abklingen würde. Ich habe darauf- hin zu ihm gesagt, daß ich mit ihm gar nicht über die ethischen Motive spre- chen wollte, weil dieser Mann krank war. Und wenn dieser Mann wirklich so krank war, wie es mir sein Advokat gesagt hatte, dann würde er auf Gaeta sterben. Und das bedeutete, daß sich sämtliche Illustrierten darauf stürzen würden – mit Schlagzeilen wie „Der einsame Tote von Gaeta“ oder so ähnlich. Es entstünde dann ein neuer Mythos, so wie es seinerzeit mit Horst Wessel geschehen ist, nur daß es diesmal ein Österreicher war. Man mußte also dafür 22 Bruno Kreisky, Der Mensch im Mittelpunkt. Der Memoiren dritter Teil, hrsg. von Oli- ver Rathkolb, Johannes Kunz, Margit Schmidt (Wien 1996) 234 ff. 23 Kreisky an Berlinguer, Wien, 13. April 1973, Rom, Fondazione Istituto Gramsci (FIG), Archivio del Partito Comunista Italiano, 1973, CL 245.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
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