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Maximilian Graf
treter, von denen der PCI erst mühselig zu einer Teilnahme überredet werden
musste, ließen ihren Ansichten dort freien Lauf. Im Schlussdokument des
Treffens wurde auch die Möglichkeit einer Zusammenarbeit von Kommunis-
ten, Sozialisten und Sozialdemokraten prominent thematisiert. Wenige Tage
später kommentierte Kreisky die Ereignisse in einem Zeit-Interview. Er hielt
die Entwicklung im westeuropäischen Kommunismus noch für umkehrbar,
betonte aber, dass man zwischen den Italienern und den Franzosen einen
Unterschied machen müsse. Er sah den Weltkommunismus […] in einem Prozeß
des Zerfalls, des Abfalls vom Zentrum der Bewegung, dennoch mahnte er zur Vor-
sicht:
Aber das heißt nicht, daß man aufhören kann, wachsam zu sein. Je wachsamer
man ist, desto mehr zwingt man die Reformkommunisten, ihren Weg weiter-
zugehen. Je weniger wachsam man ist, desto mehr erleichtert man denen, die
das alles als Täuschungsmanöver betreiben, ihr Spiel.
Zum PCI meinte er: Wenn das ehrlich ist, was Berlinguer vertritt, dann hört er
auf, ein Kommunist zu sein. Wenn er es bleiben will, dann wird er sich einer großen
Täuschung schuldig machen, und jeder wird es erkennen. Diese Ansicht wurde
zu seinem Stehsatz bei der Bewertung des „Eurokommunismus“. Kreisky an-
erkannte Mitterrands Erfolge auf dem Weg zur Erlangung der Hegemonie
in der französischen Linken, hielt den Ausgang des Ringens aber ebenfalls
noch für offen und zweifelte an der Übertragbarkeit des Modells der union de
la gauche auf Italien30.
Anfang 1977 vertiefte er in einem „Spiegel“-Interview diesen für ihn
so problematischen Aspekt der kommunistischen Hegemonie im linken La-
ger Italiens:
Dort gibt es eine große Kommunistische Partei und eine leider zuwenig be-
deutsame sozialistische Gruppierung. Alles hängt von der Entwicklung der
Kommunisten ab. Sie werden die führende politische Kraft auf der Linken
bleiben. […] Italien ist ein Land, in dem die Arbeiterschaft, die links votiert, in
ihrer Mehrheit von den Kommunisten vertreten wird. Und mir stellt sich die
30 Wachsam im Umgang mit Kommunisten. Eduard Neumaier und Rolf Zundel im Ge-
spräch mit dem österreichischen Bundeskanzler Bruno Kreisky, in: Die Zeit (6. Juli 1976),
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918