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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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219 Bruno Kreisky und die italienische Linke – ein Forschungsdesiderat Moro ermordet worden. Das Auto mit seinem Leichnam im Kofferraum wur- de in exakt gleicher Distanz zu den Parteizentralen von DC und PCI abge- stellt. Kreisky, der von der Ermordung Moros zutiefst betroffen war35, bewahrte einen seiner Briefe aus dem Volksgefängnis sowie Botschaften der Brigate rosse in Übersetzung bei seinen Unterlagen zu Italien auf36. Nicht nur angesichts des Terrorismus stand das Land vor schwerwiegenderen Probleme als der Frage einer kommunistischen Regierungsbeteiligung. Trotz im Prinzip gleichbleibender Grundhaltung, hatten sich gewis- se Zweifel oder zumindest Nuancierungen in Kreiskys Haltung zum PCI eingeschlichen. Er anerkannte die Hegemonie der Kommunisten im linken Spektrum Italiens. Eine Bewältigung der Probleme des Landes hielt er ohne Mitwirkung der Kommunisten nicht für lösbar, auch wenn er deren Einbin- dung in die Regierung keineswegs befürwortete. In der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre schien es aber trotz des Allzeithochs des PCI Hoffnung für den PSI zu geben. Diese Hoffnung war mit einem Mann verbunden: Bettino Craxi. 4. Kreisky und Craxi – eine neue Hoffnung? Der zwischen PCI und DC aufgeriebene und somit ein europäisches Parado- xon darstellende PSI hatte im Rahmen der SI durch Parteichef Francesco De Martino Anfang 1976 betont: Die PSI strebe auf lange Sicht nun eine „linke Alter- native“ in Rom an.37 Denkbar wäre dies freilich nur gewesen, wenn der PSI gegenüber dem PCI an Stärke gewonnen hätte. Kreisky hatte die Übertrag- barkeit des französischen Modells der union de la gauche auf Italien bezweifelt und selbst die SPD war mit der Haltung des PSI zum Frontismus Mitterrands nicht glücklich. Bei den Parlamentswahlen am 20. Juni 1976 erreichte der PCI mit einem Zugewinn von mehr als 7 Prozent einen historischen Anteil von 34,37 Prozent der Stimmen, während der PSI bei 9,64 Prozent stagnierte. Auf der nächsten Sitzung des Zentralkomitees des PSI am 15./16. Juli im Hotel Midas in Rom gelang es Craxi, die Parteiführung zu übernehmen. Mit seiner Wahl zum Generalsekretär begann sich die Partei verstärkt nach dem Vorbild 35 Beileidstelegramm Kreiskys an Frau Moro, in: Arbeiter-Zeitung (9. Mai 1978) 1. 36 Siehe: Kreisky Archiv, VII.1 Länderboxen, Italien, Mappe „Rote Brigaden“. 37 Italien. Zwei Elefanten, in: Der Spiegel (5/1976) 80.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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