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Bruno Kreisky und die italienische Linke – ein Forschungsdesiderat
gierung Fanfani bis zu den Wahlen im Juni 1983 das Ruder. Der neue öster-
reichische Botschafter in Rom, Friedrich Frölichsthal, bekam im bei seinem
Antrittsbesuch in der Farnesina im November 1982 zu hören, dass die offiziellen
politischen Beziehungen zwischen den befreundeten Nachbarländern Österreich und
Italien, die beide der europäischen pluralistischen Staatenfamilie angehörten, derzeit
nicht annähernd dem Stand der beiderseitigen wirtschaftlichen und politischen Inter-
essen entsprechen. Dort wurde betont, dass Italien die vom Herrn Bundeskanzler
… gesetzten Signale hinsichtlich einer weiteren Vertiefung und Ausbaues der bilatera-
len Beziehungen gerne aufgreife. Es müsse gelingen, dass die Südtirol-Frage, deren
baldige endgültige Lösung ital[ienischer]seits gewünscht würde, nicht der bestimmen-
de Faktor der bilateralen Beziehungen bleibt. Nun zeigte das italienische Außen-
ministerium wieder Interesse an einer Einladung des Ministerpräsidenten,
die Kreisky umgehend veranlasste65. Jedoch wurde auch der nun geplante
Fanfani-Besuch in Österreich Anfang 1983 bereits Ende 1982 wegen einer
für diesen Zeitraum anberaumten Parlamentsdebatte in Italien abgesagt. In
einem Schreiben an Kreisky bekräftigte der italienische Ministerpräsident
dennoch sein Interesse, die politischen Kontakte zwischen Österreich und Italien
fortzusetzen und die Umsetzung des Südtirol-Pakets einer raschen Lösung zuzu-
führen66.
Angesichts dieser Entwicklungen, war das Nichtzustandekommen
eines Besuchsaustausches auf Ebene der Regierungschefs weniger Kreisky,
der trotz der nicht vollständigen Umsetzung des Pakets initiativ vorgegangen
war, und seinem angeblichen Desinteresse, sondern der italienischen innen-
politischen Situation zuzuschreiben. Zumindest muss die Entwicklung als
unglücklich und nicht ausschließlich dem Südtirol-Problem geschuldet be-
zeichnet werden. Bei der Nationalratswahl in Österreich am 24. April 1983
verlor die SPÖ ihre absolute Mehrheit und Kreisky trat als Bundeskanzler
zurück. Zur selben Zeit brach Craxi kurzzeitig die Koalition mit der DC und
forderte erfolgreich Neuwahlen. Altbundeskanzler Kreisky schrieb am 21.
Juni 1983 verständnisvoll an den PSI-Chef:
65 Botschafter Frölichsthal an BMAA, Rom, 22. November 1982 (lag Kreisky vor, der die
Einladung Fanfanis mit einem handschriftlichen ja absegnete), Kreisky Archiv, VII.1 Län-
derboxen, Italien
66 Fanfani an Kreisky, Rom, 1. Februar 1983, Kreisky Archiv, VII.1 Länderboxen, Italien
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918