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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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228 Maximilian Graf Die italienische Sozialistische Partei hat in den vergangenen Jahren unter gro- ßen Schwierigkeiten für ihre politischen Ziele innerhalb von Koalitionsregie- rungen gewirkt und dabei wesentliches erreichen können. Die österreichischen Sozialisten verfolgen die Aktivität der italienischen Sozialisten im Nachbar- land mit großem Interesse und wünschen ihnen in den kommenden Wahlen einen eindrucksvollen Erfolg.67 Gemessen an italienischen Verhältnissen gelang dieser bei den Parlaments- wahlen am 27. Juni auch. Der PSI gewann 1,63 Prozent hinzu, während die DC mehr als fünf Prozent verlor. Nun gelang es Craxi, das Amt des Minister- präsidenten für sich zu beanspruchen. Er wurde am 22. Juli 1983 mit der Re- gierungsbildung beauftragt. Als Ministerpräsident durchbrach er auch den Knoten in der bilateralen Besuchsdiplomatie. Im April 1984 kam er als erster italienischer Regierungschef seit 1881 auf Staatsbesuch nach Österreich und wurde auch von Altkanzler Kreisky herzlich begrüßt. Die Tatsache, dass mit Fred Sinowatz und ihm zwei Sozialisten an der Spitze der Regierungen Ös- terreichs und Italien stünden, bezeichnete Craxi als einen Randumstand, der die gegenseitige Verständigung natürlich erleichtert. Der den Ministerpräsidenten begleitende Außenminister Andreotti war vom Begräbnis Juri Andropows aus Moskau angereist. Im selben Flieger saßen auch Staatspräsident Pertini und PCI-Chef Berlinguer, die in Wien Zwischenstation machten. Die „Arbei- ter-Zeitung“ sprach von einem merkwürdige[n] Zufall […] nachdem es 103 Jahre hindurch keinen Besuch gegeben hatte und freute sich, dass dieser Zustand durch die Sozialisten überwunden wurde68. 1985 wurde schließlich auch ein anderes Anliegen Kreiskys einer Lö- sung zugeführt. Wie am Beispiel Berlinguer aufgezeigt, hatte er sich stets für eine Freilassung des Kriegsverbrechers Walter Reder aus humanitären Gründen eingesetzt. Kreisky hatte Craxi in seine Bemühungen um Reder seit Ende der 1970er-Jahre in mehreren Schreiben eingebunden und den man- gelnden politischen Willen der italienischen Regierungen zur Lösung des Problems beklagt. Er verwies auch darauf, dass eine Lösung des Falls Reder einen Erfolg der SPÖ darstellen würde. Als Craxi Ministerpräsident wurde, 67 Fernschreiben Kreisky an Craxi, Wien, 21. Juni 1983, Kreisky Archiv, VII.1 Länderbo- xen, Italien. 68 Gestern „Italiengipfel“ in Wien, in: Arbeiter-Zeitung (16. Februar 1984) 1 u. 3.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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