Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Seite - 229 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 229 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Bild der Seite - 229 -

Bild der Seite - 229 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Text der Seite - 229 -

229 Bruno Kreisky und die italienische Linke – ein Forschungsdesiderat sah Kreisky eine Chance auf Reders Freilassung, sprach persönlich mit Craxi darüber und dieser setzte sie schließlich auch durch. Am 24. Jänner 1985 war es schließlich so weit, doch die Heimkehr Reders wurde zum Skandal, da ihn Verteidigungsminister Friedhelm Frischenschlager (FPÖ) am Flugplatz per Handschlag begrüßte und die nötige Sensibilität im Umgang mit der Causa vermissen ließ. Vor diesem Hintergrund, der enormen medialen Widerhall fand, klagte Craxi über Druck aus Wien. Kreisky hingegen bestätigte öffentlich sein Engagement für Reder, strich den positiven Einfluss der SI heraus und betonte, dass Craxi der erste italienische Regierungschef war, der sich nicht auf eine andere Partei ausgeredet, sondern den Mut gehabt [habe], diese Entscheidung zu treffen69. Trotzdem der „Handschlag“ das humanitäre Anliegen der Aktion in den Hintergrund treten ließ, blieben die beiden einander gewogen. Als Ministerpräsident gelangen Craxi einige innenpolitische Refor- men, wie die angesichts der hohen Inflationsraten unvermeidliche Abschaf- fung der scala mobile, die eine automatische Anpassung der Löhne an die In- flationsrate vorsah. Es kam zu zahlreichen und lange andauernden Streiks. Dennoch hatte das vom PCI angestrebte Referendum über die Beibehaltung der scala mobile im Juni 1985 keinen Erfolg. Dies stellte für Craxi einen in- nenpolitischen Sieg über die Kommunisten dar, was Kreisky nur begrüßen konnte. Aber auch in Krisensituationen fand die politische Linie des ersten sozialistischen Ministerpräsidenten Italiens die Zustimmung des österreichi- schen Altkanzlers. Im Oktober 1985 kaperten palästinensische Terroristen das italieni- sche Kreuzfahrtschiff „Achille Lauro“. Sie erschossen einen im Rollstuhl sitzenden amerikanischen Passagier mit jüdischen Wurzeln und warfen ihn über Bord. Die italienische Regierung handelte das Ausfliegen der Terroris- ten in ein arabisches Land im Gegenzug für die Freilassung der Passagiere und der Besatzung aus. Nach Bekanntwerden des Mordes wollte US-Präsi- dent Ronald Reagan die Entführer zur Verantwortung ziehen und ordnete eine Operation an, die das Flugzeug, mit dem vermeintlichen Vermittler und eigentlichem Initiator des Terrorakts, Abu Abbas, an Bord zur Landung auf dem sizilianischen NATO-Stützpunkt Sigonella zwang. Dort wurde es von 69 Barbara Tóth, Der Handschlag. Die Affäre Frischenschlager-Reder (Dissertation Wien 2010) 81, 105–111, 117 f., 138. Die Arbeit ist unlängst auch als Buch erschienen: Dies., Der Handschlag. Die Affäre Frischenschlager-Reder (Innsbruck–Wien–Bozen 2017).
zurück zum  Buch Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert"
Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die schwierige Versöhnung