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Maximilian Graf
einer amerikanischen Spezialeinheit umstellt. Die über das amerikanische
Vorgehen nicht informierte italienische Regierung unter Craxi pochte auf die
Achtung der italienischen Souveränität und ließ die Szenerie von den Cara-
binieri umstellen. Nach einigen heißen Stunden wurden die Entführer von
den italienischen Behörden verhaftet, Abbas durfte jedoch nach Jugoslawien
ausreisen. Dies erzürnte Washington, die aus der „Sigonella-Affäre“ resul-
tierenden Spannungen im amerikanisch-italienischen Verhältnis waren im
Endeffekt aber nur von kurzer Dauer70.
Craxis Reaktion auf den Nahost-Terror Mitte der 1980er-Jahre ent-
sprach jener Kreiskys seit den 1970er-Jahren. Anders als viele andere euro-
päische Regierungschefs hatte er als Bundeskanzler stets auf Verhandlungen
zum Zweck der Minimierung des Blutvergießens und mit dem Ziel der Frei-
lassung von Geiseln gesetzt. Dass ein derartiges Vorgehen auch freies Geleit
für die Terroristen mit sich brachte, sorgte sowohl im In- als auch im Ausland
für Kritik71. Kreisky war von der Richtigkeit seiner Haltung überzeugt, daher
ist es nicht überraschend, dass er 1985 Craxi gratulierte:
Bezugnehmend auf die Diskussion der letzten Wochen möchte ich Sie zu Ihrer
mutigen und konsequenten Haltung beglückwünschen. Wann immer ich ge-
fragt wurde, habe ich zum Ausdruck gebracht, daß Sie in dieser Situation nicht
anders handeln konnten, und ich es an ihrer Stelle ebenso getan hätte.72
Kreisky nutzte dieses Schreiben, um bei Craxi nachzufragen, ob er die Ein-
ladung der Confederazione Generale Italiana del Lavoro (CGIL) annehmen
sollte, auf deren 11. Kongress vom 28. Februar bis 4. März 1986 in Rom zu den
Themen europäische Einheit, den Kampf gegen Arbeitslosigkeit und Sozialabbau so-
wie die Sicherheits- und Abrüstungspolitik auf unserem Kontinent zu sprechen. Er
wollte sich auch als Politpensionist des Einverständnisses seines SI-Kollegen
versichern, bevor er an einer Veranstaltung einer kommunistisch dominier-
70 Für kurze Interpretationen siehe: Federico Romero, Sigonella e la sovranità dell’Italia,
in: Storia mondiale dell’Italia, hrsg. von Andrea Giardina (Bari 2017) 772–775; Antonio Var-
sori, Italy’s Foreign Policy in the 1980s: From Enthusiasm to Disillusion, in: Italy in the Inter-
national System from Détente to the End of the Cold War. The Underrated Ally, hrsg. von
Antonio Varsori, Benedetto Zaccaria (London 2018) 95–124, hier: 111 ff.
71 Dazu: Thomas Riegler, Im Fadenkreuz: Österreich und der Nahostterrorismus 1973
bis 1985 (Göttingen 2011).
72 Kreisky an Craxi, 14. November 1985, Kreisky Archiv, Prominentenkorrespondenz, Box 13.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918