Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Seite - 239 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 239 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Bild der Seite - 239 -

Bild der Seite - 239 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Text der Seite - 239 -

239 Italien und der Beitritt Österreichs zur Europäischen Union (1989–1994) aber findet sich damit nicht ab. Das Motiv ist einfach: Aus österreichischer Sicht gibt es viele gute Gründe an die Türen Europas zu klopfen. Am bedeu- tungsvollsten ist wohl die bereits vorherrschende Integration in die Gemein- schaft, aus der sich 68 Prozent der Importe des Lands und 63,4 Prozent der Exporte ergeben. Wirtschaftlich gibt es somit so gut wie keine Unterschiede zwischen Österreich und dem deutschen Bundesland Bayern. Angesichts der Entspannung in Europa und der in den östlichen Ländern eingeleiteten Reformen schien es unwahrscheinlich, dass die Sowjetunion ei- nem österreichischen Beitritt eine so entschiedene Ablehnung entgegenbrin- gen würde, wie es früher der Fall gewesen war. Dennoch galt es, im Rahmen der Prüfung des Beitrittsantrags, der rechtlichen Frage nach der Vereinbar- keit von Österreichs internationalem Status und einer Mitgliedschaft bei den Europäischen Gemeinschaften nachzugehen7. Der gleichen Auffassung wie Paolo Brera war Paolo Soldini, Korrespondent der kommunistischen italie- nischen Tageszeitung „l’Unità“ in Wien. Aus wirtschaftlicher und sozialer Sicht brachte eine Aufnahme Österreichs in die Gemeinschaft sicherlich nicht die gleichen Probleme mit sich, die bei Spanien und Portugal zu bewältigen gewesen waren. Ebenso wenig taten sich solche Schwierigkeiten auf, wie bei der Türkei, die auch einen Beitrittsantrag gestellt hatte. Auch historisch und kulturell gesehen stellte der Antrag Wiens keine Herausforderung dar – im Gegenteil, eine Aufnahme hätte einen ersten Schritt in Richtung Überwin- dung der traditionellen westeuropäischen Ausrichtung der gemeinschaftli- chen Integrationsprozesse dargestellt, welche die PCI seit jeher anprangerte. Die international verankerte Neutralität war das einzige Hindernis, das es zu überwinden galt. Dies bezog sich weniger auf die rechtlichen Aspekte – die österreichische Regierung und eine ganze Reihe angesehener Juristen glaubten an eine Lösung –, sondern vielmehr auf die politischen Aspekte. Ein etwaiger EWG-Beitritt eines Landes wie Österreich, dessen neutraler Status nicht nur durch die Verfassung, sondern auch im Rahmen des internationa- len Rechts garantiert und festgelegt war, hätte unweigerlich Auswirkungen auf die Entwicklungen des europäischen Integrationsprozesses gehabt: 7 Paolo Brera, E l’Austria bussa alla porta, in: Rinascita 25 (1. Juli 1989) 27. (Übers. d. Verf.)
zurück zum  Buch Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert"
Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die schwierige Versöhnung