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Gianvito Galasso
dischen und norwegischen EU-Beitrittsvertrags diskutiert und gebilligt wur-
de. Referent des Gesetzentwurfs war der Senator Claudio Petruccioli von der
PDS, der zunächst wie seine Kollegen das große Maß an Wohlstand und so-
zialer Sicherheit der vier Kandidatenländer betonte und anschließend den
Beitrag hervorhob, den diese Länder als Mitglieder der EG-Institutionen zum
Weltfrieden leisten könnten:
Es sind traditionsreiche und tiefverwurzelte Demokratien mit einem großen
kulturellen Erbe. Es handelt sich um Länder, die zwar in den vorangegange-
nen Jahrzehnten auf weltweiter Ebene anders positioniert waren, aber alle-
samt ihre Initiativen und Präsenz auf der internationalen Bühne an den Wer-
ten von Frieden und Zusammenarbeit orientiert haben. Ihr Beitritt bedeutet
für die Union also nicht nur einen quantitativen Zuwachs, sondern auch eine
außergewöhnliche qualitative Bereicherung in allen Bereichen.24
Die Senatoren der SVP begrüßten den österreichischen Beitritt zur Europäi-
schen Union mit großer Zufriedenheit. Angesichts der historischen, kultu-
rellen und sprachlichen Verbundenheit der Bevölkerung Südtirols und Ös-
terreichs unterstützten sie die Überwindung der durch die Grenzziehung
zwischen Italien und Österreich erfolgten Trennung. Rino Serri, Senator der
PRC, machte die Zustimmung seiner Fraktion von mit zwei Forderungen
abhängig – eine Überarbeitung des Vertrags von Maastricht, um dem Euro-
päischen Parlament und der Kommission mehr Kompetenzen einzuräumen,
und die Bemühung der italienischen Regierung um eine Beschleunigung des
Beitrittsprozesses mit Slowenien25. Letzteres forderte auch Diodato Bratina
von der PDS, mit dem Ziel, auch an der östlichen Grenze Schwierigkeiten
und Konflikte wie in der Vergangenheit zu vermeiden. Der österreichische
EU-Beitritt stellte in der Tat eine Art kulturelle und zivile Restaurierung eines
wichtigen Teils Europas dar. Er bot neue Perspektiven und stellte zugleich jene
Reisefreiheit zwischen den Staaten ohne Passkontrollen wieder her, die bis
zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges Normalität war.
24 Atti Parlamentari, Senato della Repubblica, XII. Legislaturperiode, 75. Sitzung, Ver-
sammlung, stenografischer Bericht, 3. November 1994, 75. (Übers. d. Verf.)
25 Atti Parlamentari, Senato della Repubblica, XII. Legislaturperiode, 75. Sitzung, Ver-
sammlung, stenografischer Bericht, 3. November 1994, 77 f.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918