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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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258 Andrea Di Michele hatte Italien gegen Österreich gekämpft, um die nationale Einigung vollzie- hen zu können10. Nach drei Unabhängigkeitskriegen wurde zum Schluss das Ziel erreicht, die noch fehlenden unerlösten Gebiete (terre irredente), also das Trentino und Friaul-Julisch Venetien, Italien anzuschließen. Somit wurde Ita- lien – zumindest dem Anschein nach – zu einer bedeutenderen und stärkeren Nation. Die veränderten Machtverhältnisse zwischen den beiden Ländern schlugen sich in den neuen Mächtehierarchien nieder, die sich in einem völlig umgestalteten Europa herausbildeten, wobei das Verliererland Österreich der Siegermacht Italien weit untergeordnet war. Beide Länder schienen grund- legende Veränderungen durchgemacht zu haben. Sie tauschten die Rollen in Europa: Von einem mehrsprachigen Reich wurde Österreich zu einem (fast) mononationalen deutschsprachigen Staat, während Italien sich durch das Einverleiben zahlreicher anderssprachiger Volksgruppen zu einem Vielvöl- kerstaat wandelte, der in mancher Hinsicht als Nachfolgestaat der Doppel- monarchie betrachtet werden könnte11. Eine Neuigkeit stellte zudem auch die militärische Präsenz Italiens in Österreich dar. Es wurden nicht nur jene Gebiete besetzt, die Italien durch den Waffenstillstand provisorisch und bei den Friedensverhandlungen endgültig zugeteilt wurden (darunter auch das deutschsprachige Südtirol), sondern auch Gebiete nördlich des Brenners, und zwar Innsbruck und andere Teile Tirols. In Wien wurde außerdem eine eige- ne italienische Waffenstillstandskommission eingerichtet. Die italienischen Militärbehörden kamen nicht umhin, ihrer Freude darüber Ausdruck zu verleihen, dass die Machtverhältnisse zwischen den alten Feinden gekippt waren: In Innsbruck, dort, wo unsere Landsleute durch die hasserfüllten Österreicher misshandelt und beleidigt wurden, werden unsere heute dort stationierten Truppen den einst arroganten Österreichern eine harte und doch wohlverdiente Lektion erteilen12. Diese Worte waren eine klare Anspielung auf die Vorfälle von 1904, als pangermanistische Studenten gegen die neu ge- 10 Federico Curato, La conferenza della pace 1919–1920, Bd. II (Milano 1942) 496. 11 Silvio Furlani, Adam Wandruszka, Austria e Italia. Storia a due voci (Bologna 1974) 193–194; Dennison I. Rusinov, L’Italia e l’eredità austriaca 1919–1946 (Venezia 2010). 12 Vertrauliches Schreiben des Kommandos der 6. Infanterie-Division an die untergeord- neten Kommandos vom 18. November 1918, in: Ufficio storico dello Stato maggiore dell’eser- cito, Roma (USSME), B1, Comando Brigata Chieti, allegati al Diario dal 1° agosto 1918 al 30 novembre 1918. (Übers. d. Verf.)
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
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