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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Seite - 259 -
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259 Von der Annexion bis zur faschistischen Ära gründete italienische Rechtsfakultät randalierten. So wurde der Versuch, eine italienischsprachige Universität in Österreich zu gründen, im Keim erstickt13. Ähnliche Worte sprach in Wien General Roberto Segre, der die italienische Militärmission leitete. Er beklagte die in der österreichischen Bevölkerung tief verankerten antiitalienischen Gefühle. Demnach wurden Italiener als „Erbfeinde” angesehen, die nach einer dreißigjährigen Allianz, welche sie ohnehin ausgenützt hatten, gegen die getroffenen Vereinbarungen verstoßen hatten, um sich mit den Feinden zu verbünden. Italiener waren für die Österreicher also Ver- räter, die ihren Sieg nicht durch ihre Leistungen erreicht hätten, sondern nur deshalb, weil das Habsburgerreich sich aufgelöst hatte. Bedenklich war aller- dings die Meinung, das italienische Volk bestehe aus einem Haufen […] übler, armseliger Handwerker und elender Händler, die sich gerne unanständig benehmen, teilweise billige Sänger [sind]…: immer geizig, oft knausrig14. Italien musste sich daher als Siegermacht neu erfinden. Um dieses Ziel zu erreichen, legte Segre besonderen Wert auf das Ansehen der Mission. Die Offiziere sollten in den drei besten Wiener Hotels untergebracht werden. In der Öffentlichkeit hat- ten sie sich immer anständig zu benehmen und in Uniform zu präsentieren. Auch bei den Befehlen, die den Truppen in Innsbruck erteilt wurden, legte man besonderes Augenmerk darauf, starke Disziplin und ein würdevolles anständiges Verhalten an den Tag zu legen, wie es sich einem starken und selbst- bewussten Volk sowie einem disziplinierten Heer ziemt15. Nur durch ein tadelloses Verhalten könne Italien sein neues Image als Siegermacht konsolidieren, um Gefühle wie Hass und Abneigung, die beim einstigen Feind gegenüber den Italienern teilweise noch verbreitet waren, zu beseitigen. 13 Angelo Ara, La questione dell’università italiana in Austria, in: Ders., Ricerche sugli austro-italiani e l’ultima Austria (Roma 1974) 9–140; Università e nazionalismi. Innsbruck 1904 e l’assalto alla Facoltà di giurisprudenza italiana, hrsg. von Günther Pallaver, Michael Gehler (Trento 2010). 14 Roberto Segre, La missione militare italiana per l'armistizio (dicembre 1918 gennaio 1920) (Bologna 1928) 8; Roberto Segre, Relazione sull’attività della missione (dicembre 1918– ottobre 1919), Vienna, 4. November 1919 8, in: USSME, E11, b. 1, fasc. 1. (Übers. d. Verf.) 15 Vertrauliches Schreiben des Kommandos der 6. Infanterie-Division an die untergeord- neten Kommandos vom 18. November 1918, in: USSME, B1, Comando Brigata Chieti, allegati al Diario dal 1° agosto 1918 al 30 novembre 1918. (Übers. d. Verf.)
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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