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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Seite - 273 -
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273 Von der Annexion bis zur faschistischen Ära reichische Regierung Italien ein Schreiben zu Südtirol, indem es auf dem deutschsprachigen Schulunterricht beharrte53. 1925 kam es in Österreich zu massiven parlamentarischen Interventionen gegen Mussolini und seine Ita- lianisierungspolitik. Vor allem in Innsbruck verfolgte man die Ereignisse südlich des Brenners und verurteilte die faschistische Politik. Nach dem Marsch auf Rom kam es zu regelrechten Anti-Italien-De- monstrationen. Ab August 1925 begannen die Tiroler Zeitungen über mög- liche Übergriffe durch faschistische Freiwilligenkorps in Nordtirol zu schrei- ben. Gegensätze zwischen der Tiroler Regierung und Wien wurden deutlich. Die Innsbrucker Stellungnahmen gegen die Italianisierung brachten Wien in Verlegenheit. Man war auf der einen Seite gezwungen, die guten Beziehun- gen zu Rom aufrecht zu erhalten, konnte aber auf der anderen die Südtirol- frage und die diesbezüglich gegen Italien eingestellte Stimmung der österrei- chischen Bevölkerung nicht völlig ignorieren. Ein anschauliches Beispiel für diese Dynamik sind die heftigen Reaktionen auf das Gesetzesdekret von 1923 zur Italianisierung der Ortsnamen54. Wien antwortete der Tiroler Landesre- gierung, die in einem Schreiben die Maßnahmen verurteilte und eine offiziel- le Intervention der Bundesregierung forderte, vermittelnd und beruhigend. Es bestünden keinerlei Verpflichtungen Italiens zum Minderheitenschutz. Im Sinne der freundschaftlichen Beziehung sei es daher besser, Italien um eine Lockerung seiner Politik zu bitten. Nur wenige Monate später wiederholte sich dieses Szenario, diesmal hinsichtlich der Italianisierung der Schulen. Seipel reagierte auf die Proteste und Kritiken der Tiroler Regierung mit einer parlamentarischen Debatte, die das schwierige Gleichgewicht auf die Probe stellte und damit endete, dass sowohl Innsbruck als auch Rom unzufrieden waren55. In dieser Situation entschied der Innsbrucker Gemeinderat, einige Namen von Straßen und Plätzen nach Südtiroler Orten zu benennen, um da- rauf hinzuweisen, dass man seine Verwandten südlich des Brenners nicht vergessen hatte. Im Februar 1928 spitzten sich die Spannungen weiter zu, als Seipel im Rahmen von zwei Parlamentssitzungen die Südtirolfrage thematisierte. Die Folge war eine schwere bilaterale Krise und die Abberufung des italie- 53 Jedlicka, Austria e Italia 86 ff. 54 Malfèr, Wien und Rom nach dem Ersten Weltkrieg 148 ff. 55 Ebd., 156 ff.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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