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Eva Pfanzelter
gab es zwischen den beiden Staaten – zumindest auf diplomatischer Ebene –
immer weniger unüberbrückbare Gegensätze. Diese Interpretation lässt sich
besonders aufrechterhalten, wenn die innen-, außen- und wirtschaftspoliti-
schen Beziehungen der beiden Länder unabhängig der Südtirolfrage in den
1930er-Jahren untersucht werden.
Einige der zentral erscheinenden Punkte zur Stützung dieser These
sollen im Folgenden näher erläutert werden.
2. Italienisch-österreichische Beziehungen
Grundsätzlich kann bei der Untersuchung der Beziehungen zwischen Italien
und Österreich in den 1930er-Jahren eine grobe Unterscheidung in drei The-
menbereiche erfolgen: Eine ideologische, eine politische und eine wirtschaft-
liche Dimension bestimmten das Verhältnis der beiden Länder, wobei alle
drei natürlich eng miteinander verzahnt waren.
Politische Dimension
Beide Staaten gemeinsam war in den 1930er-Jahren das Interesse an der Ab-
wehr nationalsozialistischer Aspirationen: Für Italien blieb mit dem Erhalt
Österreichs ein „Pufferstaat“ zwischen Deutschland und Italien erhalten –
zumindest solange die Interessen der beiden Diktaturen, des nationalsozialis-
tischen Deutschen Reiches und des faschistischen Italien, nicht aufeinander
abgestimmt waren. Denn trotz sich ähnelnder nationalistischer Ideologien,
trennten die beiden Diktaturen die außenpolitischen Ziele: Während Hitler
bereits kurz nach der Machtübernahme über den „Anschluss“ Österreichs
nachdachte, verhindere ein eigenständiges Österreich, so glaubte Mussolini,
die Expansionsbestrebungen des aufstrebenden Deutschen Reiches Richtung
Süden und Südosten, denn hier war nach dem Ende der Habsburgermonar-
chie ein Machtvakuum entstanden. Hatten also die Beziehungen zwischen
Österreich und Italien Ende der 1920er Jahre nicht zuletzt wegen der Südtirol-
frage einen absoluten Tiefpunkt erreicht, so schwenkte die italienische Regie-
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918