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Südtirol zwischen Österreich und Italien in den 1930er Jahren
des faschistischen Italien, als auch des austrofaschistischen Österreich mit
sich brachten15. Besonders aus italienischer Sicht ging es dabei in diesen Jah-
ren beständig auch um eine Aufwertung Österreichs. Den Höhepunkt dieser
Verbrüderung bildete mithin wohl das italienisch-österreichische Kulturab-
kommen vom Februar 1935. Es sah die Einrichtung von Kulturinstitutionen
in Rom und Wien und einen Austausch von Universitätslehrern zwischen
den beiden Ländern vor16.
1935 stellt politisch allerdings eine bedeutende Zäsur dar: Mit der mi-
litärischen Invasion in Abessinien im Oktober isolierte sich Italien internatio-
nal und war in der Folgezeit vermehrt auf außenpolitische Allianzen – auch
mit Österreich und Ungarn, zunehmend aber mit Deutschland – angewiesen.
Für Österreich geboten es die bis dahin guten Beziehungen, sich nicht an den
Sanktionen des Völkerbundes gegen Italien zu beteiligen. Damit geriet aber
auch Österreich international ins Abseits – mit schwerwiegenden politischen
Konsequenzen. Wie sich zeigen sollte, war die internationale Staatengemein-
schaft – zusehends schwanden vor allem die Sympathien Großbritanniens
und Frankreichs – von da an immer weniger bereit, für Österreichs Eigen-
ständigkeit einzutreten. Die Isolation wiederum drängte das Land zuneh-
mend in die Abhängigkeit von seinem südlichen Nachbarn. Können also
die Jahre zwischen 1934 und 1936 als Jahre der Konsolidierung des austrofa-
schistischen Systems gesehen werden, so war die österreichische Regierung
danach permanent in der Defensive: Der Austrofaschismus ging seinem Nie-
dergang entgegen17.
Nicht von ungefähr kam es daher 1936 zu einer Erweiterung der Römi-
schen Protokolle durch Zusatzprotokolle, die vor allem politischer Natur wa-
ren. Mit ihrer Unterzeichnung sollte noch einmal die Einigkeit zwischen Ös-
terreich, Italien und Ungarn signalisiert werden. Schuschnigg kommentierte
die weitere Annäherung an Italien mit den Worten, es stünde kein anderer
Weg offen, außer sich der Rückendeckung Italiens zu sichern und gleichzei-
15 Ludwig Jedlicka, Österreich und Italien 1922–1938, in: Wandruszka, Jedlicka, Inns-
bruck-Venedig 197 ff.
16 Jens Petersen, Vorspiel zu „Stahlpakt“ und Kriegsallianz. Das deutsch-italieni-
sche Kulturabkommen vom 23. November 1938, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 36:1
(1988), 41–78, hier: 43 ff.
17 Emmerich Tálos, Das austrofaschistische Österreich. 1933–1938 (= Politik und Zeit-
geschichte 10, Wien 2017) 30–36.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918