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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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286 Eva Pfanzelter tegisch günstige italienische Position gegenüber Deutschland aufs Spiel zu setzen. Da sich also Italien einem absehbaren „Anschluss“ nicht mit Gewalt entgegensetzen werde, sei es wichtiger, zu garantieren, dass sich dieser nicht „gegen Italien“ richte. Denn bereits jetzt sei die Stimmung gegenüber Italien in breiten Bevölkerungsschichten beider deutscher Staaten wegen der Bren- nergrenze äußerst negativ. Dies würde sich im Fall eines militärischen Ein- greifens Italiens gegen den „Anschluss“ noch verstärken26. Als Schuschnigg am 11. März 1938 bei Mussolini rückfragte, ob er in Sachen Durchführung einer Volksbefragung in Österreich zwischen Deutsch- land und Österreich als Vermittler auftreten könne, blieb dies ohne Antwort. In der Nacht vom 11. auf den 12. März erfolgte der militärische „Anschluss“ – bekanntlich ohne Protest Italiens, das diesen Schritt schon antizipiert und vor allem akzeptiert hatte. Die Politik der Verteidigung von Österreichs Souverä- nität als Symbol konservativer Ansprüche Mussolinis hatte damit aufgehört zu existieren. Die Idealpolitik war der Realpolitik gewichen27. Ideologische Dimension Ein entscheidendes Merkmal, das in den 1930ern eine weitere Annäherung der beiden Staaten garantierte, war die durch die Regierung Dollfuß anvisier- te Umgestaltung des österreichischen parlamentarischen Systems: Der Rück- tritt des amtierenden Nationalratspräsidenten in Wien im März 1933 war der konkrete Startpunkt der Ausschaltung der parlamentarischen Demokratie und markierte somit den Beginn eines autoritären, klerikalen Ständestaates. Die im Amt befindliche Regierung bewegte sich mit Unterstützung durch Bürokratie, Polizei und Heer, aber auch der katholischen Kirche sowie der loyalen Wehrverbände (Heimwehren), in Richtung einer faschistischen Be- wegung – auch nach italienischem Vorbild. Die Unterbindung von Wahlen standen ebenso auf dem Programm wie die Ausschaltung der Arbeiterbewe- gung und der nationalsozialistischen Konkurrenz im Land28. 26 Appunto del Capo del Governo, Mussolini, 27.02.1938, in: DDI, Ottava Serie: 1935– 1939, Volume VIII: 1 gennaio–23 aprile 1938 (Roma 1999) 281 ff. (Übers. d. Verf.) 27 Ennio Di Nolfo, Die österreichisch-italienischen Beziehungen von der faschistischen Machtergreifung bis zum Anschluss (1922–1938), in: Wandruszka, Jedlicka, Innsbruck-Ve- nedig 221–271, hier: 224 f., 268–271. 28 Zur Rolle Dolluß siehe besonders: Lucile Dreidemy, Der Dollfuß-Mythos (Wien 2014).
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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