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Südtirol zwischen Österreich und Italien in den 1930er Jahren
wurde Italien damit zum wichtigsten Protektor und Förderer des austrofa-
schistischen Österreich und dessen wichtigsten außenpolitischen Ziels, der
Eigenständigkeit. Letztere sollte unter anderem durch den Aufbau eines fa-
schistischen Staates nach italienischem Vorbild garantiert werden34.
Mussolini wiederum drängte nach einer ersten Annäherung an die
Dollfuß-Regierung unverblümt auf die Faschisierung Österreichs und daher
spätestens ab 1933 auf die Beseitigung der politischen Opposition. Besonders
war ihm die Ausschaltung der Sozialdemokratie – später sollte es die Abwehr
der Bolschewisierung Österreichs sein – ein Anliegen. Ebenso ermutigte er
den Bundeskanzler wiederholt zur Einrichtung totalitärer Organisationen,
wie etwa von Jugend- und Frauenorganisationen. In einem Schreiben vom
1. Juli 1933 lobte Mussolini daher nicht nur die Fortschritte, die Dollfuß in-
nenpolitisch erzielt habe:
Ich halte die Bildung einer Vaterländischen Front für eine ausgezeichnete Idee
und bin der Ansicht, dass diese umso erfolgreicher sein wird, solange sich die
verschiedenen Parteien, die das österreichische Nationalinteresse befürwor-
ten, darauf stützen werden. Mit Freude nahm ich die Nachricht entgegen, dass
die Heimwehren – auf die meiner Meinung nach Eure Exzellenz überwiegend
zählen sollte, ihren Aufgaben bestens nachkommen und sich perfekt in die von
Eurer Exzellenz geführten Politik eingefügt haben.35
Er übermittelte ihm darüber hinaus auch einige „Ideen“, die er für künftigen
Entwicklung in Österreich habe. Demnach begrüßte er nicht nur alle not-
wendigen Polizeiaktionen gegen die „nationalsozialistische Opposition“, es
erschien ihm auch notwendig,
mehr denn je in dieser Zeit innenpolitisch ein effektives und grundlegendes
Reformprogramm ganz im faschistischen Sinne durchzusetzen. Dies scheint
mir angebracht, wenn man einerseits vermeiden will, dass über Österreich be-
hauptet wird, es würde nur eine repressive Politik gegenüber einer Bewegung
ausüben, die mehr oder weniger unter dem Deckmäntelchen der Nationalflagge
34 Maderthaner, Maier, „Der Führer bin ich selbst“ 7–10.
35 Il Capo del Governo e Ministro degli Esteri, Mussolini, al Cancelliere Federale e Mini-
stro degli Esteri Austriaco, Dollfuss, 01.07.1933, in: DDI, Settima Serie: 1922–1935, Volume XII:
1 gennaio – 15 luglio 1933 (Roma 1989) 959 ff. (Übers. d. Verf.)
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918