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Eva Pfanzelter
Mitglieder des „nationalen Lagers“ in den Ministerrat auf. Fortan versuchte
er durch Verhandlungen einen Ausgleich mit dem Deutschen Reich zu fin-
den, ebenso wie Hitler und Mussolini die Achse Berlin-Rom zu stärken be-
gannen. Die Festigung der Achse ermöglichte es Hitler nun auch, gegenüber
Österreich einen härteren Kurs einzuschlagen40.
Für Mussolini erwies sich zudem Spanien, wo General Francisco Fran-
ko 1936 einen Aufstand gegen die republikanische Regierung begonnen hat-
te, ideologisch als spannenderes und v.a. empfängliches Spielfeld. Überzeugt
von der Nähe des spanischen faschistischen Systems zum italienischen zielte
Mussolini nun darauf ab, die rechtsextreme Ideologie zumindest in einem
zweiten Mittelmeerstaat aufblühen zu lassen. Österreich, so war der Diktator
in Rom mit dem Festigen der Achse zunehmend geneigt zu glauben, könne
sich letztlich dem Einfluss Deutschlands schwer entziehen, v.a. da sich seine
Dialogbereitschaft mit Frankreich und der Tschechoslowakei offensichtlich
in Grenzen hielt. Gleichzeitig fiel für Mussolini die nur halbherzige pro-ita-
lienische Politik der Schuschnigg-Regierung zunehmend ins Gewicht. Diese
sei vielleicht auf einer diplomatischen Ebene vorhanden, doch Schuschnigg
trage wenig dazu bei, dass Italien auch in der Öffentlichkeit als freundschaft-
licher Nachbar wahrgenommen werde. Das entsprach vielleicht tatsächlich
der Haltung Schuschniggs, der einer „gesamtdeutschen Ideologie“ nicht
grundsätzlich abgeneigt gegenüber stand und damit die Verteidigung der
„österreichischen Nation“ nur halbherzig betrieb41. Daher hatte Schuschnigg
dem Vorwurf, die italienische Idee zu wenig zu fördern, wenig entgegen zu
halten und er merkte daher nicht, dass sich Italien zunehmend von der Unter-
stützung der Selbständigkeit Österreichs entfernte. Viel mehr noch änderte
sich die Politik Mussolinis weg von einer totalen Ablehnung des „Anschlus-
ses“ Österreichs an das Deutsch Reich hin zu einer unaufgeregten Duldung
desselben42.
Als am Vorabend des „Anschlusses“, dem 11. März 1938, Mussolini
von Hitler einen Brief erhielt, in dem dieser die fatalen Folgen der Schusch-
nigg-Regierung für das österreichische Volk und die Entwicklung des öster-
40 Hopfgartner, Kurt Schuschnigg 173–194.
41 Dieter A. Binder, Heinrich Schuschnigg, „Sofort vernichten“. Die vertraulichen Briefe
Kurt und Vera von Schuschniggs 1938 – 1945 (Wien 1997) 11–14.
42 Di Nolfo, Die österreichisch-italienischen Beziehungen 221–225.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918