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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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297 Südtirol zwischen Österreich und Italien in den 1930er Jahren Ohne faschistische Assimilierungs- und Majorisierungspolitik ist dieser Um- schwung nicht wirklich erklärbar. Der Verlust von Heimat und die sukzessive Auflösung kultureller, politischer und ökonomischer Zusammenhänge der (Süd)Tiroler Gesellschaft hatte dramatische Auswirkungen und breite Such- bewegungen zur Folge. Daneben kamen aber auch andere Gründe zum Tra- gen: Bereits vor dem Ersten Weltkrieg war ein Tiroler Irredentismus, der nur zum Teil als Reaktion auf den italienischen, Trentiner Irredentismus verstan- den werden kann, vorhanden. Die zunehmenden irredentistischen Forderun- gen territorialer Art im Trentino hatten als Gegenpart eine breite deutsch- tümelnde Anhängerschaft für eine „großdeutschen Gesamtlösung“ und einen großdeutschen Nationalismus, v.a. propagiert in Schützen-, Gesangs-, Studenten-, Turn- und Alpenvereinen, zur Folge. Assimilierungsreden öster- reichischer bzw. deutscher Art mit Vorschlägen für Eindeutschungsmaßnah- men des Trentino waren in diesen Vereinigungen keine Seltenheit. Im Ein- flussbereich des Nationalsozialismus äußerte sich diese Haltung zunehmen als „Abgrenzungsidentität“ zum Italienischsein55. Weiters spielte die Schwäche der Außenpolitik des Rumpfstaates Ös- terreich, die beinahe ausschließlich das Primat der wirtschaftlichen Notwen- digkeit bedienen konnte, eine entscheidende Rolle. Eben weil Österreich in Folge des Anschlussverbotes des Friedensvertrages von Saint Germain und der vermeintlichen Lebensunfähigkeit als kleine Alpenrepublik begann, die Beziehungen zu Italien zu verbessern, in den 1930er-Jahren sogar zu priori- sieren, steigerte dies das Gefühl des Vertrauensbruches in Südtirol, aber auch in Nord- und Osttirol. Dem gegenüber standen die Hoffnungen, die in den unvergleichbaren Aufstieg Deutschlands durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten gesetzt wurden56. Neben (impliziten) politischen Versprechen eines „Anschlusses“ ent- wickelte das Dritte Reich auch einen ungeheuren wirtschaftlichen Sog auf 55 Siehe näheres dazu: Eva Pfanzelter, Option und Gedächtnis. Erinnerungsorte der Südtiroler Umsiedlung 1939 (Bozen 2014) 15–41. Daneben auch beispielsweise einige Beiträge in: Deutsche! Hitler verkauft euch! Das Erbe von Option und Weltkrieg in Südtirol, hrsg. von Günther Pallaver, Leopold Steurer (Bozen 2011). 56 Eva Pfanzelter, The South Tyrol Question and the Option Agreement. Fascism and National Socialism in the Nineteen-Twenties and Nineteen-Thirties, in: Dialogue against violence. The question of Trentino-South Tyrol in the international context, hrsg. von Gio- vanni Bernardini, Günther Pallaver (= Annali dell'Istituto Storico Italo-Germanico in Trento Contributi 32, Bologna, Berlin 2017) 33–56.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
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